Winterzeit ist Nebelzeit

Tage mit richtig dichtem Nebel haben eine ganz besondere Stimmung. Diese fotografisch festzuhalten ist reizvoll. Gerade in den Wintermonaten bieten sich dazu die zahlreichsten Gelegenheiten. Bleibt die Temperatur dabei sogar unter Null Grad stehen die Chancen auf Nebel, Raureif und eine weiß/graue Landschaft sehr gut. Nun heißt es: gut anziehen, Fotorucksack packen und raus in die Kälte.

Wann wird’s mal wieder richtig Nebel?

Rudi Carell besang in seinem Lied den unzuverlässigen Sommer. Auch Nebel kann unzuverlässig sein.  Je nach Region kommen Nebeltage mal mehr, mal weniger regelmäßig vor. Die meisten Hobbyfotografen werden beruflichen Verpflichtungen nachgehen und können mitunter auch nicht spontan mal einen Tag frei machen, nur weil es gerade schön nebelig draußen ist und die Stimmung passt. Also heißt es Glück haben oder planen und sich potentielle Nebeltage vormerken. Doch wie “plant” man Fototouren für Fotos mit Nebel ein?

Eine richtig fundierte Vorhersage sollte man den Meteorologen überlassen. Doch die heutigen Informationsdienste für Klima- und Wetterdaten liefern dank Internet zwei wichtige Kenngrößen frei Haus, welche auch dem Hobbyfotografen ohne meteorologischen Hintergrund eine Einschätzung erlauben, ob in den nächsten Tagen die Chancen auf Nebel eher gut oder eher schlecht stehen.

Luftfeuchtigkeit

Die Luftfeuchtigkeit (bzw. die relative Luftfeuchtigkeit in Prozent) ist eine der beiden Kenngrößen. Die Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Wasser in der Umgebungsluft enthalten ist. Abhängig von von der Temperatur kann die Luft mehr oder weniger Wasser als Dampf aufnehmen. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen. Ist die Grenze für die Aufnahme erreicht, dann beträgt die relative Luftfeuchte 100% und die Luft ist gesättigt. Jetzt kann der Dampf nicht mehr von der Luft aufgenommen werden und spätestens jetzt bilden sich Dampfschwaden.

Dies ist auch beim Nebel der Fall. An nebeligen Tagen muss die relative Luftfeuchte bei 100% oder sehr nahe bei 100% liegen. Der 02.12.17 war in der Region am linken Niederrhein an der deutsch/niederländischen Grenze bei Venlo so ein nebeliger Tag. Den gesamten Tag über hing dichter Nebel über der Region und blieb stabil bis zum Sonnenuntergang. Über folgenden Link könnt ihr euch die relative Luftfeuchte für diesen Tag und die Region ansehen:

https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/nordrhein-westfalen/luftfeuchtigkeit/20171202-1200z.html

Die rel. Luftfeuchte lag zwischen 95-100%, eine wichtige Voraussetzung für so einen Nebeltag.

Taupunkt

Die zweite Kenngröße von Interesse ist der sogenannte Taupunkt. Der Taupunkt ist jede Temperatur, die unterschritten werden muss, damit sich in Luft befindlicher Wasserdampf als Tau auf Oberflächen oder als Nebel in der Luft abscheidet. Zum Abschätzen der Nebelwahrscheinlichkeit ist insbesondere die Taupunktdifferenz von Interesse. Das ist die Differenz aus Lufttemperatur und Taupunkt in Grad Celsius. Je kleiner diese Differenz ist, desto leichter kann sich Tau und Nebel bilden. Die Taupunktdifferenz für den gerade erwähnten, richtig nebeligen 02.12.17 ist aus folgendem Link zugänglich:

https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/nordrhein-westfalen/taupunktdifferenz/20171202-1300z.html

Null Grad Taupunktdifferenz und 100% Luftfeuchte waren an dem Tag also der Garant für dichte Suppe und dicken Nebel.

Interessante Tage herausfinden

Daten für Taupunkt und rel. Luftfeuchte bekommt ihr auf vielen Wetterportalen mit einer Vorhersage für eine Woche oder länger. Hier solltet ihr nach kalten Tagen Ausschau halten, an denen der Taupunkt sehr nahe an der Lufttemperatur liegt und eine sehr hohe, relative Luftfeuchtigkeit vorliegt. Solche Tage kann man im Voraus schon mal vormerken für Landschaftsfotos mit Nebel. Ich nutze hierzu die Webseite www.kachelmannwetter.com, wo ich in einer Vorhersage übersichtlich alle Werte ablesen kann. So entscheide ich dann schon im Voraus, ob ich Samstag- oder Sonntagmorgens mal früh aus dem Fenster schaue und ein Fototasche gepackt im Wohnzimmer liegen habe, oder ob ich mich morgens im Bett einfach nochmal rum drehe.

Tipps für die Tour

Bei knapp unter Null Grad wird es auf Dauer frisch. Zieht euch entsprechend an und nehmt evtl. eine Thermoskanne Kaffee oder Tee mit. Nach 1-2 Stunden in der Kälte wird euch das Heißgetränk willkommen sein und kann auch dabei helfen, die Finger für den Auslöser wieder aufzuwärmen und “geschmeidig” zu bekommen.

Wenn ihr mit eurem warmen Equipment raus in die Kälte geht, dann müsst ihr nichts weiter beachten. Die Akkulaufzeit kann bei Null Grad ein paar Prozent geringer ausfallen als bei 20°C. Das kann insbesondere dann ein Problem werden, wenn viel der Live-View bzw. der LCD Bildschirm genutzt wird.  Hier lieber einen Ersatzakku einplanen.

Wenn ihr allerdings nach der Tour mit dem eiskalten Equipment wieder in die geheizten Zimmer kommt, dann kann sich Kondenswasser bilden (Taupunkt und so *grins*). Wollt ihr hier auf Nummer sicher gehen, entfernt die Speicherkarte noch vor der Haustüre, verstaut eure Kamera samt Objektiven in der Tasche oder im Rucksack und lasst das Equipment später im Rucksack wieder auf Raumtemperatur kommen. So kondensiert nichts auf dem Equipment aus und ihr habt die Fotos schon griffbereit.

Bearbeitung der Bilder

Ich empfehle dringend, Landschaftsaufnahmen bei Nebel in RAW aufzunehmen (warum? ->hier). Die Szenen sind in der Regel sehr kontrastarm und erfordern je nach persönlichem Geschmack mehr oder weniger Feinschliff in der Nachbearbeitung. Seid nicht zu überrascht, wenn das Histogramm eines RAWs so aussieht, wie das obere Histogramm in der folgenden Abbildung:

Ziel der Nachbearbeitung ist dann erst einmal eine Spreizung der Tonwerte um Kontrast ins Bild zu bekommen. Damit ihr dabei keine Tonwertabrisse bekommt, solltet ihr ein RAW und kein JPG bearbeiten. Nach der Tonwertspreizung kann es zu leichten Farbstichen im Bild kommen. Diese kann man schnell umgehen, wenn man eine schwarz/weiß Behandlung draus macht. Alternativ kann man den Weißabgleich überarbeiten.

Aber egal wie eure Bearbeitungsvarianten letztlich ausschauen … die Stimmung solcher Fotos ist einfach toll und ich liebe es, an solchen Tagen unterwegs zu sein. Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen motivieren, beim nächsten nebeligen Tag mal die Couch zu verlassen und mit Kamera bewaffnet eure Umgebung unsicher zu machen.

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