Kostenlose Programme zur Bildbearbeitung

Ein Dauerbrenner in zahlreichen Social-Media Gruppen ist die Frage nach kostenlosen und brauchbaren Bildbearbeitungsprogrammen. Dieser Artikel soll euch dazu ein paar Vorschläge machen und Programme Vorstellen, die ihr unter Windows kostenlos nutzen könnt. Die vorgestellten Programme haben ganz unterschiedliche Funktionsumfänge und helfen bei Aufgaben wie der RAW Entwicklung, dem Bildbeschnitt oder der Retusche und Montage. Der Artikel gliedert sich dabei in folgende Bereiche:

  1. Kostenlose Programme zur RAW Entwicklung für Windows
  2. Kostenlose Programme zur Bildbearbeitung für Windows

Habt ihr RAW Dateien vorliegen, dann müssen diese erst einmal entwickelt werden. Darum geht es in Abschnitt 1 dieses Beitrags. Der nächste Abschnitt enthält dann ein paar Vorschläge für Bildbearbeitungsprogramme im herkömmlichen Sinn. Diese dienen  z.B zur Montage, Retusche oder Veränderung von Bilddateien.

1. Kostenlose Programme zur RAW Entwicklung für Windows

Inhalt dieses Abschnitts:

Info: Ich trenne in diesem Artikel die RAW-Entwicklung von der Bildbearbeitung. Warum? Weil die Entwicklung von RAWs eigentlich nur das reine Anpassen von Bildparametern wie Schärfe, Kontrast, Sättigung, Tiefen und Lichtern etc. umfasst. Alle RAW Konverter unterstützen diese Funktionen, aber oft auch nicht viel mehr. Einige RAW Konverter bieten zwar über diese Grundeinstellungen hinaus die Möglichkeit, z.B. Helligkeitsverläufe und Farblooks etc. anzuwenden oder Veränderungen selektiv in Bildbereichen durchzuführen, trotzdem liegt der Schwerpunkt dieser Programme auf Seiten der RAW Entwicklung, weshalb ich sie als RAW Konverter behandle.

1.1. Herstellerprogramme zur RAW Entwicklung

Der Hersteller eurer Kamera liefert in der Regel zusammen mit der Kamera auch eine Software aus, mit der ihr RAW Dateien entwickeln könnt. Diese Programme stehen in der Regel gratis zur Verfügung. Leider ist es so, dass sich Kamerahersteller bei ihren eigenen RAW Konvertern im Vergleich zu Drittanbietern nicht immer mit Ruhm bekleckern. Zwar tun die Programme genau das was sie sollen – nämlich RAWs entwickeln – aber der Funktionsumfang ist rudimentär, die Benutzerfreundlichkeit meist umständlicher als bei Drittanbietern und vor allem sind die Menüs weniger intuitiv.

Canon

Bei Canon nennt sich das aktuelle Programm zur RAW Entwicklung “Digital Photo Professional”, kurz DPP und liegt der Kamera entweder auf CD bei oder kann auf der Canon Internetseite heruntergeladen werden. Mit DPP können beispielsweise aus euren RAW Dateien mit verschiedenen Vorgaben (Auto, Standard, Portrait, Landschaft … usw.) JPGs erstellen.  Diese entsprechen dann den JPGs, die auch die Kamera im JPG Modus mit der entsprechenden Voreinstellung gespeichert hätte. Darüber hinaus lassen sich z.B. Weißabgleich, Tonung, Gamma-Einstellungen, Kontrast, Schatten, Lichter, Schärfe, Entrauschen etc. manuell nach Wunsch verändern, so wie man es von einem RAW Konverter eben erwartet. Eine wirkliche Bildverwaltung ist im Programm nicht integriert. Fertig bearbeitete Bilder können als JPG oder als TIF (8 bit oder 16 bit) exportiert werden. Die Bearbeitungen zu den RAWs können gespeichert werden. DPP öffnet nur RAWs von Canon Kameras und unterstützt keine anderen Herstellerformate. Canon DPP könnt ihr bei Canon Europe gratis herunterladen ->hier

Nikon

Für die Nikon Nutzer unter euch nennt sich das entsprechende Stück Software “Capture NX-D”. Der Aufbau des Programm erinnert ein wenig an das “Entwickeln”-Modul von Lightroom und bietet die Korrekturen und Einstellmöglichkeiten, die man von anderen RAW-Konvertern kennt. Auch hier lassen sich wie beim Canon DPP z.B. Weißabgleich, Tonung, Gamma-Einstellungen, Kontrast, Schatten, Lichter, Schärfe, Entrauschen etc. manuell einstellen und zu einem RAW speichern. Auch “Capture NX-D” exportiert die Bilder wahlweise in JPG oder TIF aber bietet wie Canons DPP keine wirkliche Bildverwaltung sondern erlaubt nur ein Navigieren in den Windows Ordnern. Mit Capture NX-D lassen sich RAW Dateien der Nikon Kameras bearbeiten, andere Hersteller-RAWs werden nicht unterstützt. Heruntergeladen werden kann das Programm auf der Nikon Webseite: –>hier

1.2. RawTherapee

Unter Windows ist RawTherapee eine interessante und zudem kostenlose Alternative zu kommerziellen RAW-Konvertern wie Adobe Lightroom oder Capture One. Von den RAW Konvertern der Kamerahersteller hebt sich RawTherapee durch seine bessere und komfortablere Benutzeroberfläche und detailliertere Einstellmöglichkeiten ab. Das Programm mach für eine kostenlose Freeware einen sehr professionellen Eindruck und kann durch Leistung überzeugen. Einziges Manko von RawTherapee ist die fehlende Möglichkeit Bereiche und Bildausschnitte selektiv bearbeiten zu können. RawTherapee gibt es für Windows, Linus und MacOS X zum download.

Dieses leistungsfähige Tool ist definitiv einen Blick wert, insbesondere zum Reinschnuppern in die Welt der RAW Bearbeitung. Gratis Software trifft professionellen Funktionsumfang, so könnte man es kurz und knapp auf den Punkt bringen. Dabei kommt RawTherapee mit den meisten RAW Formaten klar. Sollte dies z.B. bei neueren Kameras noch nicht der Fall sein, hilft ein Umweg über 16 bit TIFF Dateien oder DNG-Files, welche von RawTherapee in jedem Fall unterstützt werden. RawTherapee kann auf der Homepage als Freeware heruntergeladen werden: –>hier

2. Kostenlose Programme zur Bildbearbeitung für Windows

Weiter geht es mit kostenlosen Tools und Programmen zur Bildbearbeitung. Diese Programme benötigen in der Regel JPGs oder TIFs, kommen aber nicht mit RAW Dateien klar. Dafür lassen sich mit ihrer Hilfe Veränderungen in den Dateien auf Pixelebene erreichen. Je nach Funktionsumfang kann das bis hin zu Bereichsreparaturen, Retuschen und ganzen Bildmontagen gehen. Dabei ist die Bandbreite der Programme groß. Von kleinen Programmen mit guter Übersichtlichkeit aber begrenztem Funktionsumfang bis hin zu sehr großen und umfangreichen Programmen mit professionellen Tools ist für jede Anforderung die passende, kostenlose Software verfügbar:

2.1. IrfanView

IrfanView ist irgendwie so ein Dinosaurier unter den kleinen Bildbearbeitungsprogrammen. Das Tool existiert schon, seit es in den 90ern Gratis CDs als Beilagen zu Computermagazinen gab. Aktuell gibt es IrfanView als klassische Installations-Version mit Installer für Windows (->hier) und als “portable” Version z.B. zur Installation auf USB Sticks (->hier). Obwohl IrfanView in erster Linie als Bildbetrachter gedacht ist, beinhaltet das Programm einige grundlegende Bildbearbeitungsoptionen. Neben Rotieren und Ändern der Bildgröße, Weichzeichnen, Schärfen oder selektivem Ersetzten von Farben lassen sich mit IrfanView auch Panoramen aus Einzelaufnahmen zusammensetzten oder selektiv rote Augen aus Bildern entfernen. Die folgenden Screenshots geben einen kleinen Überblick:

IrfanView ist geeignet für die kleinen Bildanpassungen zwischendurch. Es ist schnell, kann als portable Version sogar auf einem USB Stick zusammen mit Bildern gespeichert werden und erfordert nicht sehr viel Einarbeitung. Ein ideales Tool für kleine Aufgaben.

2.2. Paint.NET

Weitermachen möchte ich mit einem kleinen aber feinen Programm für Windows namens “Paint.NET”. Die Möglichkeiten von Paint.NET sind schon umfangreicher als die vom Namensvetter “Windows Paint” und auch größer als die vom gerade vorgestellten IrfanView,  erreichen aber nicht den Umfang professioneller Bildbearbeitungsprogramme. Paint.NET liegt irgendwo in der Mitte, was das Programm aber sehr attraktiv macht. Es ist schnell, übersichtlich und unterstützt das Arbeiten mit Ebenen, was eine ganz wesentliche Eigenschaft guter Bildbearbeitungsprogramme ist. Die Handhabung ist einfach und die Menüs intuitiv. Zum Beispiel nutze ich Paint.NET für alle Screenshots, die ich im Rahmen dieses Blog anfertige. Es ist einfach schneller als Photoshop oder Programme ähnlichen Kalibers. Folgende Galerie gibt euch einen kleinen Überblick über die Funktionen und Menüs.

Der Umfang ist schon wirklich sehr gut und genügt für viele Aufgaben. Die Möglichkeit Ebenen mit Transparenz nutzen können, das rudimentäre aber ausreichende Angebot von Filtern (Weichzeichenfilter, Schärfefilter, Verzerrungsfilter etc.) und die Maskierungsoptinen machen Paint.NET zu einem schlanken, schnellen und leistungsfähigen Tool, welches ich wie erwähnt trotz Photoshop gerne immer wieder nutze. Einfach weil man nicht immer mit Kanonen auf Spatzen schießen muss. Paint.NET könnt ihr z.B. bei Softsonic herunterladen: –>hier

2.3. GIMP

Stellt IrfanView nur grundlegende Funktionen bereit, so bietet Paint.NET schon mehr Funktionen. Stoßt ihr mit diesen beiden Programmen aber an die Grenze, dann lohnt sich ein Blick auf GIMP. Die Bezeichnung GIMP ist eine Abkürzung für “GNU Image Manipulation Program” und es hat seinen Ursprung in der LINUX Welt. Seit einigen Jahren ist es aber auch für Windows erhältlich und hat sich hier als freie und leistungsfähige Bildbearbeitung etabliert. Ich würde so weit gehen zu behaupten, dass es aktuell kein anderes kostenloses Bildbearbeitungsprogramm mit einer derartigen Funktionsvielfalt gibt.

Das aktuelle GIMP unterstützt das Arbeit mit Ebenen, Farbkanälen und Masken, bietet eine Fülle von Funktionen und Filtern und wir deshalb auch oft als kostenlose „Photoshop-Alternative“ empfohlen. Viele „High-End“ Bearbeitungen wie z.B. die Beauty-Retusche mittels Frequenztrennung oder Luminanzmasken, lassen sich auch mit GIMP erledigen. Das Programm liefert Werkzeuge für die Freistellung und Maskierung von Bildelementen, kann Ebenen in verschiedenen Mischmodi zusammenfügen und macht auch sonst einen eher professionellen Eindruck. Anders als IrfanView und Paint.NET erfordert GIMP aber schon eine gewisse Einarbeitung. Die grundlegenden Funktionen sind zwar weitgehend selbsterklärend, wer aber tiefer rein möchte, sollte etwas Zeit für das Lesen und Gucken von Informationen und Tutorials reservieren. Die Programmierer selber bieten auf ihrer Webseite www.gimp.org zwar selber einige Tutorials zu grundlegenden und auch fortgeschrittenen Techniken an, jedoch sind diese nur in Englischer Sprache abrufbar.

Nach der Installation in Deutsch ist aber die gesamte Software inkl. aller Menüs in deutscher Sprache verfügbar, wie ihr auf den folgenden Screenshots erkennen könnt.

Bedenkt man, dass es sich bei GIMP um ein Open-Source Projekt von freiwilligen Programmieren handelt, so ist der bisher erreichte Stand beeindruckend. Das Programm läuft stabil und ist eine vollwertige, professionelle Bildbearbeitung, welche sich bedenkenlos mit kommerziellen Produkten messen lassen kann. Zum kostenlosen Reinschnuppern in die Welt der fortgeschrittenen Bildbearbeitung ist GIMP die Empfehlung schlechthin. Und es gibt viele, sehr gute Bildbearbeiter und Grafiker mit beeindruckenden Ergebnissen, die GIMP verwenden. Der abgedroschene Spruch “Was nix kostet ist auch nix” passt bei GIMP so gar nicht. GIMP könnt ihr in der aktuellen, stabilen Version auf der Webseite des Projekts herunterladen (->hier)

Fazit

Ein Software-Abo oder teure Bildbearbeitungssoftware müssen nicht unbedingt sein, wenn man sich mit RAW-Entwicklung und Bildbearbeitung intensiver auseinandersetzen möchte. Ich selber nutze gerne schlanke, kleine Programme wie Paint.NET, aber auch Adobe Lightroom (LR) + Photoshop (PS) im Abo. Der Grund dafür ist, dass die beiden Adobe Programme nahtlos ineinander greifen und Lightroom zusätzlich zur normalen RAW Entwicklung auch ein Bibliotheksmodul zur Verfügung stellt, wie es aktuell bei keinem Freeware Produkt zu finden ist.

Prinzipiell lässt sich aber auch mit einer Kombination aus RawTherapee und GIMP auf vergleichbar hohem Niveau arbeiten und bearbeiten. Die Workflows sind andere als bei LR+PS, die Resultate werden sich aber – eine entsprechend gute Bearbeitung in beiden Varianten vorausgesetzt – nicht unterscheiden lassen. Dank YouTube gibt es auch zu RawTherapee und GIMP eine Menge an Informationen und Tutorials zu entdecken.

Meine Empfehlung für Neueinsteiger wäre Paint.NET als Grundlage zu nutzen und mit GIMP aufzusatteln, sobald ihr an die Grenzen stoßt. Wenn euch danach ist, eure Erfahrung mit RAW-Entwicklung zu machen, schnuppert ein paar Tage mit der Herstellersoftware rein, die ihr evtl. eh schon installiert habt. Sagen euch die Möglichkeiten der RAW-Entwicklung zu, fangt direkt an euch mit RawTherapee vertraut zu machen. Mit GIMP und RawTherapee seid ihr dann schon wirklich gut aufgestellt.

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