Drei Tipps für bessere Fotos

Zugegeben, die Überschrift des Artikels wirkt sehr plakativ. ‘Tschuldigung dafür 🙂 Und ich sage es auch direkt: hier gibt es jetzt keine super Geheimtipps für die ultimativen Fotos. Du bist hier in erster Linie richtig, wenn du dich bisher noch nie wirklich bewusst mit Bildgestaltung auseinandergesetzt und eher “geknipst” hast. In der Regel also, wenn du Neueinsteiger in der Fotografie bist oder bisher meist aus dem Bauch heraus auf den Auslöser gedrückt hast.

Du wirst nach diesen drei Tipps hier nicht sofort Bilder machen, um die sich Printmedien reißen oder die auf Instagram durch die Decke gehen. Aber mit den drei Tipps für den Anfang wirst du solide und vorzeigbare Bilder machen können. Denn die drei Tipps adressieren Anfängerfehler, die oft gemacht werden aber auch schnell abzustellen sind.

Ich möchte vorweg darauf hinweisen, dass diese Tipps weiß Gott nicht die einzig wahren Regeln für Fotografie und Bildgestaltung sind. Bei weitem nicht! Viele erfahrene Fotografen weichen bewusst von den Regeln hier ab und es sieht toll aus. Aber was bei diesen Regeln aus diesem Artikel das Schöne ist: sie sind einfach und sie funktionieren in der Regel. Und das ist gerade zu Anfang das Wichtigste. Der Rest kommt später automatisch!

1. Geometrie: Linien und Dreiecke

Das Auge ist trainiert darauf Strukturen zu finden. Geometrische Formen, Linien und Dreiecke in Landschaften und Architektur sind solche Strukturen. Hat das Auge solche Strukturen erkannt, dann fallen sie dem Betrachter auf. Deshalb sollten horizontal und vertikal verlaufende Linien im Foto auch wirklich  horizontal und vertikal sein. Man glaubt es nicht, aber wenige Grad Abweichung können schon einen Unterschied machen.

Horizontale Linien

Ein Klassiker ist das Urlaubsbild am Strand oder Meer mit schiefem Horizont. Viele Neueinsteiger sind von der Situation und der Stimmung hin und weg, machen ein Foto und laden dieses in Fotogruppen hoch, weil sie von den Farben begeistert sind und mit dem Moment Erinnerungen verbinden. Das der Horizont nicht ganz gerade ist, ist da erst einmal Nebensache. Oft bleibt dann aber das erhoffte Lob der Hobbyfotografen aus, weil hier weniger die Situation alleine, sondern diese vielmehr zusammen mit der Horizont-Line und der Bildgestaltung wahrgenommen wird.

Und wenn es sich nicht um das eigene Bild handelt, fallen solche Kleinigkeiten viel eher auf und man ist kritischer. Willlkommen in Foto Foren. Das ist im Prinzip auch nix Schlimmes und ganz normal. Sein eigenes Bild kann man nie losgelöst von Emotionen betrachten, andere schaffen dies leider problemlos. Und da werden technische Kleinigkeiten wichtig. Hier mal ein Beispiel eines Bildes mit leicht schiefen (links) und begradigtem Horizont (rechts).

Das linke Foto ist so ausgerichtet, wie ich es vor Ort aufgenommen habe. Ich stand auf einem Haufen Steine und war neben Fotografieren zusätzlich mit meinem Gleichgewicht beschäftigt, so dass der Horizont nicht ganz gerade wurde. Alleine durch das spätere Geraderücken des Horizonts in Lightroom wirkt das Bild aber viel stimmiger. Bei Fotos von Seen oder Häfen ist der gerade Horizont nicht immer so gut zu erkennen. Aber auch wenn der Horizont nicht sofort klar ersichtlich ist, erkennt das Auge ein schiefes Bild. Nachfolgendes Beispiel vom Hafen in Kos Stadt soll das verdeutlichen:

Hier wurde das Bild später am Rechner an einer Laterne in der Bildmitte ausgerichtet und zwar so, dass die Laterne vertikal gerade ist. Dadurch wirkt das ganze Bild in sich schlüssig, obwohl der Horizont nicht klar erkennbar ist. Bei Landschaftsbildern sollte der Horizont in der Regel horizontal sein! Wenn ihr davon abweicht, sollte es gute Gründe geben 😉

Vertikale Linien

Vertikale Linien begegnen uns oft in der Architektur. Hier gilt im Prinzip das Gleiche wie bei den horizontalen Linien. Manchmal sogar noch ausgeprägter als bei horizontalen Linien. Sind vertikale Linien nicht ganz gerade, dann nimmt das der Betrachter eines Fotos unterschwellig aber schnell Wahr. Der Eindruck eines schiefen Bildes entsteht. Folgende Aufnahme zeigt das. Einmal links die Originalaufnahme, rechts die ausgerichtete und begradigte Variante:

Das sind wirklich nur ein paar Grad im Winkel, aber das linke Bild wirkt irgendwie schief, während das rechte Foto gerade wirkt. Zwar liegt die eigentliche Geometrie beim Bild schon im unscharfen Bereich, trotzdem nimmt unser Auge das wahr.

Dreiecke

Baut Dreiecke! Bitte? Ja, Dreiecke 🙂 Dreiecke erzeugen Tiefe im Bild, insbesondere bei Landschaftaufnahmen. Dreiecke erzeugen Fluchtpunkte. Was ich damit meine möchte ich an folgenden beiden Bildern demonstrieren.

Beide Bilder entstanden ganz kurz nacheinander. Während im linken Bild durch die beiden gänzlich horizontalen Linien im Vorder- sowie Hintergrund keine richtige Tiefe im Bild entsteht, so vermitteln die “Dreiecke” bzw. die auf einen Fluchtpunkt zulaufenden Linien im rechten Bild eine räumliche Tiefe. Das funktioniert super bei Flüssen, Wegen, Straßen, Mauern und in Gebäuden etc., aber auch mit Schattenwürfen. Ob der Fluchtpunkt zentral im Bild ist oder am Rand liegt, ist dabei nicht so entscheidend für die Tiefenwirkung des Bildes. Dazu aber gleich noch mehr.

Oft funktioniert es auch, eine Linie des Dreiecks genau an einer der Bildecken ansetzen zu lassen. Insbesondere bei Brücken, Geländern oder Gebäuden mit stürzenden Linien. Ich habe hier mal keine roten Linien mehr eingezeichnet , ich denke du siehst was ich meine.

2. Bildaufteilung: Mittig, gedrittelt oder goldig geschnitten?

Mittig und gedrittelt

Im ersten Abschnitt ging es im Wesentlichen um horizontale oder vertikale Linien und um Fluchtpunkte im Foto. Hier in Abschnitt 2 des Artikels möchte ich ein wenig darüber schreiben, wo man diese Linien oder Fluchtpunkte im Bild platzieren kann. Eine mittige Platzierung von Linien oder Fluchtpunkten kann funktionieren, tut es aber oft nicht so gut wie eine außermittige Platzierung.

Wie gesagt, die Zentralperspektive kann funktionieren, dann muss das fotografierte Thema aber so interessant sein, dass es funktioniert. Hier mal zwei Bilder, bei denen eine mittige Aufteilung meiner Meinung nach stimmig ist und gut geht:

Einmal handelt es sich um eine ziemlich gewaltige Architekturaufnahme einer Klosterruine in Belgien. Durch die stürzenden Linien wird die Größe des Bauwerks vermittelt. Die Symmetrie links und rechts erlaubt eine mittige Anordnung des Bildes. Das zweite Bild ist ein Fantasy-Portrait der lieben Andrea. Das Bild ist eindringlich und die Zentralperspektive unterstützt die Aussage des Bildes. Außermittig hätte dieses Bild nicht so gut funktioniert.

Viele Kameras haben ihre Fokuspunkte relativ mittig und Neueinsteiger neigen dazu, das fotografierte Objekt dann auch in die Bildmitte zu stellen. Das ist erst einmal naheliegend und intuitiv und wie gesagt, es kann funktionieren. Oft bist du aber besser dran mit einer außermittigen Positionierung deines Hauptobjekts. Ganz gut funktioniert die Rasterung des Bildes in Drittelstufen wie im folgenden Bild:

Bei einer Platzierung des Hauptobjekts auf einer der vier Linien oder vier Schnittpunkte wirkt das resultierende Bild gefällig. Das will ich mal an drei unterschiedlichen Beispielen zeigen und zwar an einem Portrait, einer Detailaufnahme eines kaputten Oldtimers und einer Landschaftsaufnahme. Links immer die Darstellung in Zentralperspektive, rechts eine Foto nach der Drittelregel.

Ich finde die Resultate schon eindeutig. Hier funktioniert die Platzierung auf einer der Drittel-Linien weitaus besser als die Zentralperspektive. Und das ist sehr oft der Fall! Im Zweifel würde ich immer zu einer Anordnung nach der Drittel-Regel raten, insbesondere wenn du dir unsicher bist. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Drittelregel ein gutes und stimmiges Bild liefert ist weitaus höher als bei der mittigen Anordnung.

Goldener Schnitt

Neben der Drittelregel gibt es noch die Anordnung nach dem “Goldenen Schnitt”, welche auch sehr gut funktioniert. Diese Anordnungen sind nicht ganz so intuitiv wie die Platzierung der Objekte nach der Drittelregel, lassen sich aber auch ganz gut merken.

Als “goldener Schnitt” wird eine Unterteilung einer Strecke bezeichnet, bei der der die Gesamtstrecke “a+b” zu Teilstrecke “a” das gleiche Verhältnis hat wie Teilstrecke “a” zu Teilstrecke “b”.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Golden_ratio_line_percentages.svg
Grafik: Wikipedia

Macht man aus dieser Aufteilung ein Raster wie bei der Drittelregel, dann ergibt sich ein leicht verändertes Raster. Links siehst du die klassische Drittelregel, recht die Aufteilung gemäß des goldenen Schnitts:

So viel Unterschied ist zwischen beiden Varianten nicht zu erkennen. Ob jetzt die Drittelregel als Näherung  des goldenen Schnitts zu sehen ist oder nicht .. eine Anordnung deines Fotomotivs irgendwo zwischen Drittelregel und goldenem Schnitt funktioniert für gewöhnlich sehr gut.

.. auch für den Horizont

Auch den Horizont in Landschaftsbildern empfehle ich so anzuordnen, also gemäß Drittelregel oder goldenem Schnitt. Die Horizontlinie mittig durchs Bild laufen zu lassen ist eine Sache, die nur in Ausnahmefällen eine gute Wirkung erzielt. Wieder mal ein kleines Beispiel hierzu. Links wurde die Horizontallinie im Bild mittig angeordnet, auf dem rechten Bild auf der unteren Drittellinie.

Auch bei Bildern im Hochformat funktioniert das. Hier nochmals ein Beispiel einer Hochformataufnahme, links wieder mittig angeordnet, rechts habe ich den Horizont auf die obere Drittellinie gelegt.

Funktioniert, oder? Wohin man den Horizont legt, ob auf die obere oder untere Linie, dazu gibt es keine allgemeingültige Regel. Oft ist es aber so, dass du dem Bildelement mehr Platz eimräumen solltest, welches du interessanter findest. Bei einem dramatischen Himmel mit tollen Wolken gib dem Himmel 2/3 des Bildes und dem Vordergrund die unteren 1/3. Ist der Himmel aber einfach nur langweilig grau oder blau, ohne Wolken und Strukturen, gibt dem Vordergrund 2/3 Platz im Bild. Oft wirst du damit sehr gut fahren.

3. Schaffe Zeit und Varianten

So, kommen wir zum dritten und letzten Tipp. Nach den zwei vorangegangenen Tipps ist der Letzte recht trivial: nimm dir Zeit und fotografiere verschiedene Varianten eines Motivs. Gerade wenn du anfängst dich mit Bildgestaltung zu beschäftigen. Speicherplatz ist heute nicht mehr das Problem und der Verschluss deiner Kamera wird wahrscheinlich mehr als 100.000 Auslösungen überleben. Also fotografiere … löse aus … mach Bilder.

Schau immer wieder durch den Sucher. Schwenke die Kamera nach oben, unten, links und rechts, verändere den Standpunkt. Nicht einfach nur ein Mal aus einem Bauchgefühl heraus abdrücken. Versuche ein Gefühl für Bilder zu entwickeln. Variiere mit den ersten beiden Tipps im Hinterkopf. Nur so wirst du lernen, wann eine Zentralperspektive wirkt, wann nicht. Und öfter wird es außermittig funktionieren! Wirklich 🙂

Aber das Wichtigste ist: fotografiere zu Anfang nicht unter Zeitdruck. Lass dir – gerade am Anfang – keine Kommunion oder Familienfeier aufquatschen, nur weil du eine gute Kamera hast. Dir wird die Zeit fehlen Bilder so zu gestalten, dass du zufrieden bist. Gehe einfach so mit der Kamera vor die Türe, nimmt dir Zeit, gestalte bewusst nach Drittelregel oder goldenem Schnitt. So machst du meiner Meinung nach am besten Fortschritte.

Wenn du ein interessantes Objekt gefunden hast, mach Fotos von vielen Positionen aus. Die erste Idee ist selten die Beste. Laufe um das Objekt herum. Geh in die Knie, lehn dich um Ecken. Eine Variation des Standpunkts macht unendlich viel aus. Hier einmal drei Bilder in der Folge ihrer Entstehung. Perspektive fliegt dir nicht immer zu, sie entwickelt sich.

Der Standpunkt plus Brennweite kann für eine Bildwirkung mehr ausmachen als Blende oder ISO. Du musst vergleichen. War das Foto von links besser als das von rechts? Ist eine zentrale Anordnung OK oder funktioniert für das Bild eine Drittelanordnung besser? Quäle deinen Auslöser! Wir haben heute das Glück, dass wir problemlos hunderte Bilder von einer Fototour mit nach Hause bringen können um davon die besten auswählen können. Das sollten wir nutzen. Nur so entwickelt sich letztlich ein Blick für das Motiv. Viel Spaß beim Besserwerden!

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