Einen Laptop für die Bildbearbeitung?

Kann man einen Laptop zur Bildbearbeitung nutzen? Das ist, gemessen an der Anzahl der Nachfragen im Netz, gar kein so uninteressantes Thema. Gegenüber einem normalen Desktop-PC hat ein Laptop schließlich den Vorteil, dass er klein und handlich ist. Werden ein paar grundlegende Dinge beachtet, dann ist der mobile Laptop der großen Desktop-Variante auch nicht zwingend unterlegen. Ich selber nutze zur Bildbearbeitung seit Jahren ausschließlich einen Laptop und bin damit sehr zufrieden.

Worauf du aus meiner Sicht im Wesentlichen achten solltest damit du nicht schon kurz nach dem Kauf unzufrieden bist? Das sind vier Hauptbereiche, die den Rechner betreffen: Prozessor & Arbeitsspeicher, Grafikkarte, Display und Festplatte.

Prozessor & Arbeitsspeicher

Viele der heutigen Bildbearbeitungsprogramme gehen verschwenderisch mit den Ressourcen deines  Computers um. Die Datenmengen der Bilder alleine sind schon recht groß. Bilddateien verlustfrei zu bearbeiten und ggf. mehrere Ebenen und Filtereffekten einzusetzten, zieht schnell mal Dateien mit 500 MB oder mehr nach sich. Wenn der Laptop da nicht in die Knie gehen soll, sind genug Reserven beim Prozessor und beim Arbeitsspeicher nötig. Beim Prozessor tut es ein z.B. ein aktueller Intel Core i5 oder i7 Prozessor. Prozessoren dieser Generation bieten eigentlich schon genug Leistung für gute Bildbearbeitung. Es mag paradox klingen, aber der Prozessor ist nur in den seltensten Fällen der Grund für Performance-Probleme bei der Bildbearbeitung.

Wichtiger ist in meinen Augen schon der Arbeitsspeicher. Und hier solltet ihr auf mindestens 8GB RAM achten. Schön ist es, wenn diese schon beim Kauf installiert sind und zusätzlich noch weitere Kapazitäten zum späteren Aufrüsten vorhanden sind. Aber 8GB Speicher sind OK, weniger sollten es nicht sein. Wenn ihr ein Notebook mit 16 GB RAM kauft, umso besser.

Grafikkarte

Bildbearbeitungsprogramme wie Lightroom oder Photoshop stellen längst nicht so hohe Anforderungen an die Grafikkarte wie aktuelle 3D-Spiele. Aber auch bei der Grafikkarte gilt natürlich, je mehr Leistung, desto besser. Achten solltet ihr darauf, dass eine Grafikkarte mit eigener GPU und eigenem, physikalischen Arbeitsspeicher verbaut ist. Bei der 3D und Grafikberechnung sollte der Open-GL Standard unterstützt werden. Programme wie Lightroom nutzen OpenGL und profitieren hier deutlich von solch einer Unterstützung.
Als Fausregel kannst du aber im Hinterkopf halten: Wenn ein älteres 3D Spiel auf dem Notebook läuft, dann ist die Grafikkarte für die Bildbearbeitung auf alle Fälle ausreichend.

Festplatte

Gerade wenn du bei der Bearbeitung deiner Bilder häufig zwischen diesen hin und her wechseln möchtest, ist oft die Festplatte der Flaschenhals, der alles ausbremst. Ebenso, wen das Bildbearbeitungsprogramm große Datenmengen auf die Festplatte auslagern muss. Und diese Mengen sollte man nie unterschätzen!

Ich habe es geschafft, bei einem Photoshop-Composing die eigentlich noch freien 60GB meiner Systemplatte mit temporären Dateien von Photoshop voll zu bekommen. Zugegeben, das dauert schon eine Weile, ist aber ein schönes Beispiel dafür, welche Datenmengen beim Bildbearbeiten mitunter auf der Festplatte ausgelagert werden müssen. Je langsamer die Platte, desto mehr bremst dich diese Auslagerung aus.

Wenn nichts genaues beim Laptop dabei steht, ist meist einen konventionelle (magnetische) Festplatte (HDD) verbaut. Das ist für die Bildbearbeitung die denkbar schlechteste Lösung, weil diese Platte zwar viel Speicherplatz bieten, aber sonst recht langsam sind. Häufig sieht man mittlerweile auch SSHD Festplatten. Das sind Hybrid-Festplatten aus einer langsamen, konventionellen Festplatte und einer kleinen, schnellen Solid-State Platte (SSD). In der Praxis werden wichtige und häufig genutzte Daten im SSD Bereich gespeichert und können sehr schnell abgerufen werden. Im normalen Desktop-Betrieb beschleunigt das die Arbeit merklich, für die Bildbearbeitung reichen die SSD Kapazitäten solcher SSHDs von oft nur einigen hundert Megabyte aber nicht aus.

Meine Empfehlung wäre eine reine SSD für den Laptop. Mindestens 512 Gigabyte, besser 1 Terabyte. Richtig günstig ist das zwar immer noch nicht, aber die Performance ist es das durchaus Wert. Ein komplettes SSD System arbeitet in der Regel merklich flüssiger und schneller. Laptops im höheren Preissegment sind oft schon mit reinen SSDs ausgestattet, ansonsten lassen sich aber eigentlich alle Notebooks mit 2,5-Zoll SSDs nachrüsten. Bei meinem Laptop bin ich seinerzeit von einer 1 TB SSHD auf eine 1 TB SSD gewechselt und der Zuwachs an Performance und Leistung war beträchtlich. Ich bin sogar der Meinung, der Wechsel von SSHD auf SSD ist sinnvoller als z.B. eine Aufrüstung von 8 auf 16GB RAM.

Display

Letztendlich ist aber das Display für die Bildbearbeitung am Laptop von zentraler Bedeutung. Was nützt die beste Performance, wenn die Darstellung am Display unterirdisch ist? Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, dass heute in der Regel zwei verschiedene Typen von Display-Panels in Laptops verbaut werden. Zum einen sind dies die preisgünstigeren TN-Panels (Twisted Nematic) und die etwas kostspieligeren und moderneren IPS-Panels (In-Plane Switching). Logisch, dass die etwas teureren IPS-Panels auch die geeigneteren Displays für die Bildbearbeitung sind 🙂

Woran kannst du schnell erkennen, ob du gerade ein TN- oder IPS-Panel betrachtest? Am besten, indem du den Winkel änderst und nicht direkt von vorne auf das Display schaust, sondern z.B. mal in einem 45° Winkel. TN-Panels werden dabei merklich dunkler und verändern ihre Farbdarstellung. ISP Panels sind auch aus einem 45° Winkel gut zu betrachtet und stellen die Farben gut dar.

IPS Panels stellen Farben besser und genauer dar, als das die TN-Panels tun. Wichtig ist hierbei die sogenannte sRGB-Farbraumabdeckung. Kurz gesagt ist der Wert für die Farbraumabdeckung ein Maß dafür, wie viele der theoretisch aus Rot, Grün und Blau (RGB) möglichen Farbnuancen auch wirklich auf dem Display dargestellt werden können. Werte zwischen 90-95% sind OK, über 95% Farbraumabdeckung ist schon gut. Weil viele Hersteller aber nicht mit der Farbraumabdeckung werben, müssen die Werte anderweitig besorgt werden. Eine gute Anlaufstelle ist die Seite notebookcheck.com, die in regelmäßig aktualisierten “Display-Charts” aktuelle Laptops auf die Güte des Displays testen. Sehr empfehlenswerte Anlaufstelle:

https://www.notebookcheck.com/Notebookcheck-Display-Charts.119792.0.html

Display-Kalibrierung

Das beste Display ist wiederum nichts Wert, wenn es nicht richtig eingestellt ist. Dazu könnt ihr Testdateien verwenden, mit denen ihr relativ gut Helligkeit, Kontrast und Gamma-Wert einstellen könnt. Zur Farbkalibrierung eignen sich diese Testdateien jedoch nicht. Hier empfehle ich euch ein Kolorimeter zur Displaykalibrierung. Das im deutschsprachigen Raum wohl bekannteste Kolorimeter ist der Spyder5 von Datacolor. Diesen gibt es in einer kleinen Variante (Spyder5 Express*), in einer normalen Variante (Spyder5 Pro*) und in einer großen Variante (Spyder5 Elite*) . Alle Varianten haben eine identische Hardware, unterscheiden sich aber im Software-Umfang (und natürlich im Preis). Während die kleine Variante nur die Kalibrierung eines Displays zulässt, lassen sich mit der normalen Variante schon mehrere Displays kalibrieren und verwalten und die Software überwacht das Umgebungslicht bei der Kalibrierung.

Fazit

Ein leistungsfähiger Laptop mit mindestens 8GB RAM, einer ausreichend großen SSD und einem guten und kalibrierten IPS-Display ist schon sehr geeignet zur Bildbearbeitung. Solche Systeme stehen Desktop-PC in nichts nach, wenn die Komponenten sorgsam ausgewählt werden. Ich nutzte seit einigen Jahren ausschließlich Laptops zur Bildbearbeitung und bin damit sehr zufrieden. Jedoch ist es wie auch bei guten Desktop-Systemen: wer leistungsstark und mit guter Darstellung bearbeiten möchte, bekommt das in der Regel nicht zum Sparpreis. Ein leistungsstarker 17-Zoll Laptop mit IPS Panel und SSD ist schon ohne Betriebssystem und Software im vierstelligen Euro-Bereich angesiedelt. Notebooks sind immer noch teurer im direkten Vergleich zu einem gleichstarken Desktop-System. Allerdings hat man mit dem Laptop die Möglichkeit zuhause flexibel Räume zu wechseln oder den Laptop mit zu Fotoshootings zu nehmen.


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