Die 6D mit Magic Lantern (1) – Der erste Eindruck

Nachdem meine gute alte 6D mir lange ein treuer Begleiter war, wurde sie im Juli letzten Jahres durch eine 5D Mark IV zur Backup-Kamera „degradiert“. Und durch die neue Konkurrenz kam die 6D bis letztes Wochenende in der Zwischenzeit nur zweimal kurz zum Einsatz. Und das um ganz ehrlich zu sein auch nur deshalb, um Fotos von der neuen 5er zu machen – wie z.B. das Titelbild des Blogs hier.

Letztes Wochenende habe ich dann die 6er doch wieder für eine Fototour durch Eindhoven reaktiviert. Zusammen mit meinen Fotokollegen Daniela und Norbert ging es auf Tour. Vorab hatten wir festgelegt, uns auf lediglich eine Festbrennweite für den gesamten Fotoausflug zu beschränken. Das Motto lautete kleines Gepäck, nur laufen, nicht zoomen. Also packte ich morgens spontan die 6er mit meinem EF 28/1.8er Weitwinkel zusammen, lies die 5er zuhause im Rucksack und fotografierte mich anschließend mit Daniela und Norbert quer durch die City von Eindhoven. Und es hat Spaß gemacht. Zwar war das Handling zu Beginn etwas ungewohnt, doch das erledigte sich sehr schnell. Zugegeben, hier und da vermisste ich schon das liebgewonnene AF System der 5er, aber die Resultate am Ende des Tages zeigten mir mal wieder, dass die 6er wirklich tolle Qualität abliefert. Mit der Ausbeute des Tages war ich hoch zufrieden.

Und so kam die Erkenntnis, dass die gute 6er eigentlich zu schade ist um nach diesem gelungenen Ausflug wieder Monate im Schrank zu verstauben.

Magic Lantern

Deshalb, so hab ich überlegt, soll die Kamera mit der Firmware-Erweiterung „Magic Lantern“ (ML) aufgewertet werden. ML ist eine von Freiwilligen programmierte Firmware-Erweiterung für die originale Canon-Firmware. Dabei erweitert ML die Funktionen der Kamera um einige wirklich interessante Möglichkeiten. Diese sind vielfältig und reichen von kleinen nützlichen Tools wie der Zebra-Darstellung und Fokus-Peaking im Live-View über Gimmicks wie z.B. das Auslösen der Kamera mittels Bewegungsdetektion oder Fokus-Stacking bis hin zu wirklichen Änderungen an den RAW Files, wenn z.B. mit der Option Dual-ISO fotografiert wird. Eine Menge nützliches und interessantes Zeug ist dabei. Einiges ist experimentell, anderes ist wirklich nützlich.

Der Haken an der Sache ist der, dass ML natürlich weder von Canon autorisiert wurde noch Seitens der ML Entwickler eine Garantie für die Funktionsfähigkeit geschweige denn eventuell auftretende Folgeschäden am Equipment übernommen wird. Als ich die 6D als Hauptkamera nutze, wollte ich hier mangels Backup-Lösung kein Risiko eingehen. Denn auch wenn eine überwältigende Mehrheit der ML Nutzer keine Probleme hat, so existieren doch ganz vereinzelt Berichte über im schlimmsten Fall massive Probleme in Zusammenhang mit ML bis hin zum Totalausfall einzelner Kameras. Mit der 6er als Hauptkamera war mir das zu riskant, doch nun als Backup-Kamera wollte ich das mal riskieren. Zu reizvoll sind einige Optionen in Zusammenhang mit ML. Und da ML nicht auf der Kamera installiert sondern von der SD-Karte geladen wird, können Kameras in der Regel wieder unkompliziert mit der originalen Canon Firmware gebootet werden, sobald Probleme mit ML auftreten oder man es nicht mehr haben möchte.

Vorbereitungen an der Kamera und der SD Karte

ML ist für verschiedene EOS Kameras verfügbar. Für welche Modelle es verfügbar ist, kann auf der Magic Lantern Homepage in Erfahrung gebracht werden. Da ML immer für eine bestimmte Firmware-Version der jeweiligen Kamera programmiert wurde, muss zuerst überprüft werden, ob diese mit der auf der Kamera installierten übereinstimmt. Für die EOS 6D benötigt ML die Firmwareversion 1.1.6 und genau diese war bei meiner 6D schon installiert. Das ersparte mir ein Up- oder Downgrade der Firmware. Nun musste die Kamera lediglich noch über das Menü auf Werkseinstellungen gesetzt werden.

Um die SD-Karte vorzubereiten, muss diese in der Kamera formatiert werden. Wichtig ist die Formatierung in der Kamera und nicht unter Windows, weil beide Arten nur oberflächlich indentsich sind. Danach ist die Karte aber auch schon bereit für das Aufspielen von Magic Lantern.

ML laden und auf die Karte spielen

Dieser Schritt ist recht simpel. Die entsprechende ML Version wird auf der Webseite als ZIP Datei herunter geladen. Anschließend wird die ZIP Datei noch auf die frisch formatierte SD-Karte entpackt und das war’s eigentlich auch schon mit Vorbereitung und Installation.

Erstes booten mit ML

Nachdem die SD-Karte in die Kamera gesetzt wurde, kann die Kamera gestartet werden. Noch fährt die Kamera ganz gewohnt mit der Canon Firmware hoch und ML wird nicht geladen. Um zukünftig beim Starten der Kamera ML von der SD Karte zu laden, muss im Menü bei eingelegter SD-Karte (mit ML drauf!) das Firmwareupdate gestartet werden. Dieses wird im Menü über den Eintrag “Firmware” gemacht. Wurde diese Prozedur durchgelaufen, folgt sofort die Aufforderung die Kamera neu zu starten. Ist auch das abgeschlossen, ist das Canon Menü wie gewohnt zu erreichen, zusätzlich kann das ML-Menü mit zahlreichen Erweiterungen über die Taste “Löschen” aufgerufen werden.

Erster Eindruck

Nach dem Drücken der Löschen-Taste landet man im Menü von Magic Lantern. Dieses sieht zugegebenermaßen ein wenig unübersichtlicher aus als das Canon-Menü. Das Menü sollte man ein paar mal durchklicken und auf sich wirken lassen. Bei konkreten Fragen zu Einträgen ist die erste Anlaufstelle der “User-Guide” auf der Entwicklerseite.

Das Menü von Magic Lantern gliedert sich in mehrere Untermenüs und zwar in:

  • Expo
    Einstellungen zur Belichtungssteuerung wie Weißabgleich, ISO etc.
  • Overlay
    Einblendungen im Live-View und der Bild-Rückschau wie Zebras (für Über- und Unterbelichtung, Fokuspeaking, Schnittmasken, Histogram (RAW!) etc
  • Movie
    Einstellungen für die Filmaufnahme, u.a. Video-RAW
  • Shoot
    Bracketing-Einstellungen, Intervalltimer, Auslösung über Bewegungserkennung, Audioquelle (z.B. Händeklatschen etc)
  • Focus
    Fokusfalle, Fokusverfolgung etc
  • Display
    Einstellungen für das Kamera-Display
  • Prefs
    Einstellungen von ML
  • Modules
    Aktivierung von Zusatzmodulen, die standardmäßig deaktiviert sind
  • Debug
    Fehlersuche, wohl eher für Entwickler
  • Help
    Hilfeseiten und Erklärungen zu Menüs und Einstellungen

Die Möglichkeiten in diesen Menüs sind erst einmal verwirrend und umfangreich und ich denke ich werde mich da die nächsten Wochen schrittweise durch arbeiten. Aber nach der ersten Installation läuft ML zumindest problemlos auf meiner 6er. Über den Sucher und mit den Canon-Menü kann ich arbeiten wie eh und je, über das ML Menü stehen mit im Live-View eine Reihe neuer Funktionen zur Verfügung. Ich habe den Eindruck die Reaktionszeit beim Booten und beim Wechsel ins Menü hat ein bisschen zugenommen, aber alles ist noch im Rahmen.

Als erstes habe ich nach der Erstinstallation noch kurz die Auslösung der Kamera über Bewegungserkennung getestet und es klappt ganz gut. Dieser Punkt ist einer der interessantesten in meinen Augen. Der erste Test lässt hoffen und ein paar Ideen für Fotos hab ich schon. Und so denke ich, dass ich in den nächsten Wochen die gute alte 6D immer mal wieder in den Fingern haben werde 🙂

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