Pixabay & Co. – die endgültige Entwertung von Fotografie?

Kennst du Pixabay? Beim ersten Besuch glaubt man vielleicht, es handele sich um eine normale Fotoseite wie z.B. 500px, Instagram oder wie sie alle heißen. Leider ist dem nicht so. Auf Pixabay gibt es hochwertige Fotos lizenzfrei zum download. Was viele Menschen erfreuen wird, stimmt mich als Hobbyfotograf eher nachdenklich. Warum, davon handelt dieser Artikel.

Der Auslöser für diesen Artikel

Für diesen Blogartikel gibt es einen konkreten Auslöser bei mir. Ich nahm heute die lokale, mit Werbung finanzierte Mittwochszeitung aus dem Briefkasten. Diese Zeitung gib’s hier immer wöchentlich kostenlos für alle Haushalte und neben 50% lokalen Themen enthält das Blättchen zu 50% Werbung. Soweit, so gut und ein altbekanntes Prinzip.

Nicht zu ersten Mal fiel mir heute das Titelbild auf. Passend zum aktuellen Dauerfrost in Deutschland eine bodennahe Aufnahme einer Wiese mit Raureif auf den Grashalmen. Kein Weltklassefoto aber eine solide, gute Arbeit. Mein Blick fällt also auf die rechte, untere Ecke unter dem Bild um zu schauen, wer denn der Fotograf ist. Hier in der Ecke am Niederrhein kenne ich ja mittlerweile so einige Hobbyfotografen und vielleicht darf ich ja jemandem aus dem Bekanntenkreis gratulieren. Aber anstatt eines realen Namens finde ich wie schon ein paar Mal zuvor lediglich die Angabe “Foto: pixabay” unter dem Bild.

Heißt nix anderes als: Foto bei Pixabay über Suchfunktion gesucht, kostenlos runter geladen und einfach ohne weitere Angaben und ohne sonstige Einschränkungen in die Lokalzeitung eingefügt. Dem Redakteur und dem Layouter dürfte es recht sein. Aber dem Fotografen auch? Der erfährt in der Regel nicht mal von seinem Glück …

Pixabay und Konsorten

Neben Pixabay gibt es noch ein paar andere Seiten im Netz mit nahezu identischem Angebot. Auch sie stellen lizenzfreie Fotos für die weitere kommerzielle und nichtkommerzielle Verwendung zur Verfügung. Sie heißen Unsplash, Pexels oder PublicDomainArchive. Pixabay hat sich zum bekanntesten Angebot gemausert. Bei einigen Seiten muss man einen kostenlosen Account erstellen um die Bildarchive mit Download in vollem Umfang nutzen zu können, während andere Anbieter den Download sogar ohne vorherigen Login oder eigenen Account ermöglichen.

Bei der Suche nach frei verfügbaren Bildern sind Pixabay & Co eine wahre Fundgrube. Hochwertige und hoch aufgelöste Stock-Fotos und Bildcomposings zum freien Download. Was für Nutzer toll klingt, sollte bei jedem Fotografen und Hobbyfotografen die Alarmglocken klingeln lassen.

Die Sache mit den Bildrechten

Denn die Nutzung solcher Seiten als Fotograf sollte aus meiner Sicht sehr gut überlegt sein. Anders als bei herkömmlichen Fotocommunities werden mit dem Hochladen der eigenen Fotos die Bilder als “Public Domain” zur Verfügung gestellt, sie werden “Gemeingut”. Rein rechtlich bedeutet dies, dass der Fotograf zeitlich unbegrenzt und unwiderruflich jegliche kommerzielle und nichtkommerzielle Nutzung der hochgeladenen Bilder gestattet. Die Fotos unterliegen dann keinem Kopierrecht mehr und dürfen frei verwendet und verändert werden. Zu allem Übel ist bei Verwendung eine Nennung des Fotografen nicht notwendig.

Das alleine hinterlässt bei mir ein flaues Gefühl im Magen und angesichts der qualitativ hochwertigen Arbeiten auf solchen Seiten ist es mit unbegreiflich, wie man als Fotograf seine Bilder dort hochladen kann. Mit dem Hochladen geht schließlich jegliche Kontrolle über das Bild verloren. Bei der lokalen Wochenzeitung erfährt der Fotograf halt nicht, dass sein Bild auf einer Titelseite einer Zeitung mit einigen tausend Exemplaren gedruckt wurde. Das kann den meisten Hobbyfotografen noch relativ egal sein, auch wenn es viele doch erfreuen würde dies zu wissen.

Aber was, wenn das Bild in einer Zeitung oder einem Printmagazin mit höherer Auflage landet. Oder als Hintergrund für die Werbung eines aufstrebenden Start-Ups endet? Es gibt vielfältige Anwendungen und bei allen hat der eigentliche Urheber des Fotos nix mehr zu melden, erfährt im Normalfall sogar nichts von der Verwendung seines Bildes.

Entwertung von Fotografien

Viele kommerzielle Fotografen empfinden schon das “Verschenken” von guten Hobbyamateuraufnahmen als “Entwertung” von Fotos, selbst wenn der Urheber genannt wird. Denn berufsbedingt haben sie einen kritischen Blick auf kostenlose Fotoangebote. Sandra Schink hat dazu den tollen Blogbeitrag “Liebe Hobbyfotografen! Bitte werdet alle Semi-Profis!” verfasst, den ich sehr gelungen und lesenswert finde und an fast allen Stellen unterschreiben würde. Und auch wenn ich das an manchen Stellen ein kleines bisschen liberaler sehe und durchaus aus mal hochwertige Bilder “verschenke” – insbesondere wenn ich für lokale Vereine etc. fotografiere – so finde ich die Namensnennung und die Nachfrage vor einer Verwendung sind das Minimum dessen, was man als Urheber eines gelungenen Fotos erwarten darf.

Seiten wie Pixabay, Unplash oder Pexels treiben die Entwertung von Fotografie in meinen Augen auf die nächste Stufe. Hier verschenken Fotografen ihre Bilder an ein anonymes Portal und verzichten für ein paar Klicks und Likes auf sämtliche Rechte am eigenen Werk. Das macht mich wirklich nachdenklich.

Für mich geht es um die Wertschätzung der eigenen Arbeit. Auch wenn Fotografie als Hobby betrieben wird, so steckt doch Zeit, Arbeit, Geld und Hingabe in einem guten Bild. Wenn jemand eines meiner Bilder als gut genug empfindet um es in einer Zeitung, einer Veröffentlichung oder auch nur einem Facebook-Profil zu verwenden, dann will ich davon Kenntnis haben. Ich selber kann nicht verstehen wie einem Hobbyfotografen die eigene Arbeit so unwichtig sein kann, dass man darauf verzichtet.

Weitere Fallstricke warten

So, genug von meiner leicht emotionalen Ansicht zum Wert von Bildern. Ich möchte diesen Artikel mit einem weiteren Aspekt ausklingen lassen, den die Nutzung der genannten Seiten mit sich bringt. Entscheidet sich ein Fotograf trotz Abwägung aller Argumente für die Nutzung solcher Fotoseiten ist eine Lektüre aller Nutzungsbedingungen und FAQs dringend anzuraten. Viele Fallstricke warten hier und Fotorecht ist nicht einfach. Ich selber traue mir keine vollständig kompetente und sichere Einschätzung zu. Nur so viel: Wenn Personen, Modelle, Markenzeichen oder geschützte Gebäude oder Gegenstände auf einem Bild abgebildet sind sollte die rechtliche Situation klar sein. Auch abgebildete Personen sollten über eine Veröffentlichung informiert werden, die Bedingungen kennen und einverstanden sein. Man stelle sich nur vor, ein Bild mit einer Person drauf wird von einer solchen Seite runter geladen und geht mit einer coolen Werbekampagne viral. Herzlichen Glückwunsch wenn die Person nicht im Kenntnis gesetzt und/oder nicht einverstanden war. Mit normalen TfP Verträgen wie sie zu tausenden im Hobbybereich kursieren dürfte diese Verwendung in der Regel nicht gedeckt sein.

Schlussworte

Ich mache einen großen Bogen um die genannten Seiten. Aus Prinzip und weil mir meine Arbeit zu wertvoll ist, auch wenn es nur Hobby ist. Die schleichende Entwertung von Fotos durch Handyfotos und den Fotomassen auf Instragram und Facebook schmerzt schon. Ich will nicht noch Teil davon werden auch Stock-Fotos und hochwertige Bildarbeiten weiter und weiter zu entwerten. Persönlich würde es mich freuen, wenn es möglichst viele Fotografen auch so handhaben würden. Die Anzahl der Bilder auf solchen Plattformen zeigt aber leider, dass sie trotzdem stark genutzt werden. Auf der Startseite von Pixabay stehen die Bilder qualitativ denen von 500px oder anderen Fotoseiten in Nichts nach und die Seite wirbt damit, über 1,3 Millionen Bilder im Angebot zu haben.

Ich bin bei dem Thema leider Pessimist und denke, wir alle müssen uns dran gewöhnen immer öfter unter Bildern in Zeitungen und Magazinen zu lesen “Foto: pixabay”. Da selbst Lokalzeitungen davon betroffen sind wird es wohl auch immer seltener vorkommen, dass man beim Lesen der Bildquelle denkt “Schau mal, schon wieder der Thomas mit ‘nem Bild in der Zeitung” – obwohl der Thomas genauso gut und viel fotografiert wie eh und je. Die Anonymisierung erhält auch hier Einzug. Man kann es “Globalisierung” der weltweiten Fotocommunity nennen … für mich ist es eine bedenkliche Kostenlos-Mentalität. Das alles finde ich sehr schade und während viele Redaktionen im Online-Bereich dazu übergehen, Angebote immer weiter  kostenpflichtig zu machen werden andererseits immer öfter kostenlose, anonyme Bildquellen für hochwertige Medien verwendet. Auch das ist Doppelmoral …

4 Kommentare

  1. Sehr guter Artikel. In meinen Augen völlig unverständlich, dass derlei Plattformen einen solchen Zulauf haben. Und andererseits ist es für mich auch verwerflich, wenn die so genannte (sogenannt deshalb, weil es bei diesen Blättern doch viel mehr um Werbung geht als um redaktionelle Inhalte) Presse derartige Angebote nutzt. Gerade dort, so sollte man meinen, wird gute Pressearbeit – und da gehören m. E. auch hochwertige Fotoarbeiten dazu – gewürdigt. So ändern sich die Zeiten. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Praxis dort, wo die redaktionelle Arbeit noch im Vordergrund steht, nicht etabliert.

  2. Ich bin einer von denen, die Bilder bei Pixabay einstellen.
    Warum? Weil sich die Zeiten komplett geändert haben und die beiden einzigen Alternativen, die es gibt, nicht besser sind:
    1.) Ich lasse die Bilder bei mir zuhause auf der Festplatte verstauben (das wäre doch irgendwie schade – oder?).
    2.) Ich stelle sie in eine kommerzielle Bilddatenbank, wo sie für ein paar Cent „verkauft“ werden. Also jetzt mal ehrlich: Das, was hier gezahlt wird, sehe ich nicht als Wertschätzung meiner Arbeit an, sondern als Beleidigung! Da verschenke ich sie lieber.

    Ich war früher Profi-Fotograf (musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören) und kenne noch die Zeiten, als Redaktionen und Kunden angerufen haben, um Bilder, die ich im Archiv hatte, zu bestellen. Aber das ist lange vorbei. Das Archiv-Geschäft läuft heute ausschließlich über Internet-Datenbanken, und wer da seine Bilder einstellen will, dem kann ich nur sagen: Willkommen im Haifischbecken!

    Die Gesamtzahl aller Fotos, die bei kommerziellen Agenturen wie Shutterstock, Adobe Stock, Getty und den vielen, vielen anderen vorliegen, dürfte wohl inzwischen bei weit über 1 Milliarde liegen. Und täglich werden es mehr. Entsprechend rauschen die Honorare immer tiefer in den Keller, was zusätzlich daran liegt, dass die Agenturen selbst unter Konkurrenzdruck stehen und den Käufern immer günstigere Angebote machen.
    Ein weiteres Problem ist das massenhafte Raubkopieren. Ich habe schon Fotos von mir auf Servern in Russland und Amerika gefunden. Da kann man nichts machen, das ist ein Kampf gegen Windmühlen.

    Als Berufsfotograf lebst du heutzutage praktisch ausschließlich von Kunden-Aufträgen, denn individuell angefertige, hochwertige Fotos werden nach wie vor gebraucht. Und auch jedem Amateur-Fotografen möchte ich dringend ans Herz legen, in einem solchen Fall ein angemessenes Honorar zu verlangen. Aber der darüber hinaus gehende „freie Markt“ ist völlig kaputt. Ich kenne keinen einzigen Kollegen, der über Agenturen nennenswerte Umsätze erzielt und selbst dieses Wenige wird jedes Jahr weniger. Das läuft halt „so nebenbei“ mit, weil die Bilder eh schon gemacht sind.

    Ich kann dich, Jens, zu 100% verstehen, aber das ist die heutige Realität. Computer und Internet haben zu massiven Umwälzungen in zahlreichen Berufen geführt – einer davon ist die Fotografie. Aber jetzt zu jammern, ist natürlich Unsinn. Eine Erfindung wie das Internet lässt sich nicht aufhalten. Das will ja auch niemand, auch kein Fotograf!

    Fazit:
    Fotos wie „Wiese mit Raureif“ haben nach wie vor einen ideellen und vielleicht auch künstlerischen Wert, aber halt keinen ökonomischen mehr.
    Eine Plattform wie Pixabay ist da nur die logische Konsequenz dieser Entwicklung.

    1. Hallo Norbert. Deine Sichtweise kann ich schon nachvollziehen.

      Ich glaube was mich tief an der Sache stört ist Folgendes: Ich denke viele Redaktionen und Redakteure hätten ein Problem damit, ihre Artikel zu verfassen und dann kostenlos, frei Verfügbar zum Kopieren für Jedermann zur Verfügung zu stellen. Die leben ja auch vom Schreiben, keine Frage. Gerade von solchen Menschen erwarte ich aber eine gewisse Wertschätzung für gesitige und künstlerische Leistungen. Das plumpe Nutzen von Pixabay entwertet das irgendwie für mich.

      Naja, dass sich solche Entwicklungen nicht aufhalten lassen ist klar. Es gibt auch einfach zu viele, gute Hobbyfotografen, welche ihre Werke bereitwillig zur Verfügung stellen. Somit dient der Artikel auch eher dazu, ein bisschen zu kritisieren – ganz ohne die Hoffnung, dass sich an den Entwicklungen noch einmal was ändern wird.

      Ich finde es nur schade, dass durch die Quellennennung (Bild: Pixabay) der Fotograf eigentlich völlig ungenannt bleibt .. einfach nur schön schnell ein Bild rein ins Layout. Das eine Namensnennung monetär und auch vom Bekannheitsrad etc. nix bringt – aber es ist eine symbolische Geste.

      Ich glaube keinem Redakteur würde es gefallen, wenn ich einen guten Artikel von ihm 1:1 abschreibe, auf einer Internetseite veröffentliche und drunter schreibe “Quelle: Postwurfsendung” 🙂

      Gruß
      Jens

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