Gewusst wie: Blendensterne

Manche lieben sie, andere mögen sie nicht so sehr: Blendensterne. Oft sieht man sie sehr deutlich auf  Nachtaufnahmen und Langzeitbelichtungen. Auch in Form eines Sonnensterns kann man sie ab und zu auf Fotos bewundern. Und egal ob du nun Blendensterne magst oder nicht: Es ist sehr hilfreich zu wissen wie sie entstehen. So kannst du sie entweder gezielt erzeugen oder ihnen auch gezielt aus dem Weg gehen.

Helle Punktquellen im Bild

Eine grundlegende Voraussetzung für das Auftreten von Blendensternen sind möglichst kleine, helle und überstrahlende Lichtpunkte im Bild. Auf Nachtaufnahmen sind deshalb so oft Blendensterne zu sehen, weil die vielen Laternen und Lampen solche punktförmige Lichtquellen sind, die die Umgebung deutlich überstrahlen.

Auch die Sonne kann als solch ein Lichtpunkt fungieren. Hier ist die Situation aber nicht ganz so simpel. Durch die immense Helligkeit der Sonne frisst der Bereich um die Sonne herum – in dem auch Blendensterne auftreten würden – oft dermaßen aus, dass diese sich – wenn überhaupt – nur noch mit viel Nachbearbeitung retten lassen. Der Trick ist hier entweder weniger zu belichten oder die Sonne an eine Kontrastkante im Nild zu legen, wie auf den folgenden Beispielbildern.

Bei Bild Nr. 1 wurde hierzu die Sonne direkt an der Kante vom Dach platziert. Hierbei gehe ich immer so vor, dass ich beim Betrachten durch den Sucher die Sonne ganz hinter der Kante verschwinden lasse und dann langsam die Kamera so bewege, dass die Sonne gerade eben an der Kante durchbricht. Auf den Bildern Nr. 2 und Nr. 3 ist zu erkennen, dass sich auch Bäume und Äste gut als Kontrastkanten eignen.

Und was kannst du tun, wenn die Sonne mittig am Himmel steht? Dann kann es helfen das Bild etwas zu wenig zu belichten, damit der Bereich um die Sonne herum nicht völlig überbelichtet wird. Mittig am Himmel zeigt die Sonne nur dann Blendensterne, wenn der umgebende Himmel noch blau ist und Farbinformationen enthält. Die beste Lösung in solchen Situationen ist der Einsatz von Grauverlaufsfiltern, aber auch ohne diese Filter kann es klappen, wie das nachfolgende Bild zeigt.

Hier kommt natürlich die etwas schwächere, tiefstehende Sonne dem Effekt zusätzlich zugute.

Blende zu!

Ein Blendenstern wird deshalb so genannt, weil er an der Blende des Objektivs entsteht. Die Blende wiederum ist eine Mechanik zur Regulierung der Lichtmenge. Mehrere sogenannte Blendenlamellen können in den Lichtweg hinein oder hinaus gefahren werden und regeln so die Lichtmenge, die durch das Objektiv in die Kamera gelangt.

An den Kanten der Lamellen wird einfallendes Licht gebeugt. Dieser physikalische Effekt fällt um so stärker auf, je weiter die Blende geschlossen wird. Ein Lichtpunkt im Bild verschwimmt dadurch etwas an den Kanten und zwar mit immer kleiner werdender Blende immer stärker. Bei einer perfekt kreisförmigen Blende würde ein Lichtpunkt nur leicht unscharf werden. Da die Blende aber nicht völlig kreisrund schließt, sondern aus den einzelnen Lamellen besteht, hat die Blendenöffnung die Form eines regelmäßigen Vielecks. In der oberen Abbildung mit sechs Lamellen hat die Lichtöffnung die Form eines regelmäßigen Sechsecks. Und eben in den Ecken dieses Vielecks wird das Licht noch stärker gebeugt, wodurch die Blendensterne letztlich entstehen.

Um Blendensterne zu provozieren muss die Blende also ein wenig geschlossen werden. Hier mal ein Vergleich von drei verschiedenen Blendenöffnungen. Auch wenn die Bilder mal eben schnell geschossen wurden, der Unterschied zwischen offener und geschlossener Blende ist deutlich zu erkennen.

Deshalb solltest du – wenn du denn Blendensterne haben möchtest – die Blende etwas schließend. Zwischen f/11 und f/16 liegst du in einem Bereich, in welchem die meisten Objektive deutliche Blendensterne liefern, aber die durch Beugung auftretende Unschärfe im Bild noch nicht bemerkbar ist. Meine Empfehlung wäre, dich in diesem Bereich aufzuhalten wenn du Blendensterne haben möchtest oder dich unterhalb von Blende f/8 aufzuhalten, wenn du keine deutlichen Blendensterne magst.

Einfluss des Objektivs

Nun ist es so, dass die Art und die Form von Blendensternen nicht nur von den Einstellungen der Aufnahme abhängt, sondern auch vom verwendeten Objektiv selber. Es gibt Objektive mit eckigen Lamellen, es gibt welche mit abgerundeten Lamellen. Manche Objektive haben sechs Blendenlamelle, andere sieben oder noch mehr.

Zumindest die Anzahl der Blendenlamellen lässt einen Rückschluss auf die Zahl der Spitzen im Blendenstern zu. Bei einer geraden Anzahl an Blendenlamellen hat der Blendenstern genau so viele Spitzen wie die Zahl der Lamellen. Deswegen ergeben sech Lamellen einen Blendenstern mit sechs Spitzen.

Objektive mit einer ungeraden Anzahl an Blendenlamellen erzeugen hingegen Sterne mit doppelt so vielen Spitzen wie Blendenlamellen vorhanden sind.  Bei den winterlichen Beispielbildern oben habe ich z.B. das EF 16-35/4L IS USM verwendet, welches 9 Blendenlamellen hat. Dementsprechend haben die Blendensterne in diesen Bildern 18 Spitzen.

Fazit

Wenn es also um Blendensterne geht heißt das Motto: helle Lichtquellen und Blende zu. Gerade bei Nachtaufnahmen entstehen so recht unproblematisch schöne Blendensterne an Laternen und Lampen. Bei der Sonne heißt es üben und ein Gefühl dafür entwickeln, wie die Belichtung zu wählen ist, damit der Himmel um die Sonne herum nicht völlig ausbrennt. Und wenn das nicht zum Ziel führt, dann hilft es eventuell die Sonne an eine kontrastreiche Kante zu platzieren. Viel Spaß beim Probieren.

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