Wie robust ist dein Equipment?

Wie robust ist dein Equipment? Robuster als du vielleicht denkst! Über die Frage, was das eigene Fotoequipment wirklich aushält, macht man sich für gewöhnlich erst dann Gedanken, wenn der Regen in Strömen vom Himmel fällt oder wenn z.B.  was anderes fällt .. nämlich die Kamera Richtung Boden. Als sehr aktiver Fotograf kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Zumindest bei hochwertigen DSLRs sind Material und Verarbeitung sehr gut und halten weit mehr aus, als man allgemein vielleicht erst einmal denkt. Zwei Situationen fallen mir dabei ein, die zwar dauerhafte Spuren am Equipment hinterlassen haben, aber die Funktion nicht beeinträchtigen konnten. Und von diesen beiden “Unfällen” handelt dieser Blog-Beitrag.

Regen, Wind und Kopfsteinpflaster

Die erste Story trug sich an der schönen Burg Eltz in Rheinland-Pfalz zu. Mein Fotokumpel Norbert und ich fuhren am Karnevalsdienstag morgens in aller Herrgottsfrühe gegen halb fünf mit dem Auto los um noch vor Sonnenaufgang an der Burg Eltz unsere Stative aufbauen zu können. Als Belohnung für das frühe Aufstehen schenkte uns Petrus Wolken, Wind und Regenschauer. Fotografenglück im Februar …

Als wir also schließlich an der Burg standen, frischte der Wind auf und Regenschauer setzten immer wieder ein. Um mein Equipment zu schützen, stülpte ich ‘ne aufgeschnittene Tüte über meine Kamera und fotografierte dann weiter. Nach einem Standortwechsel passierte es schließlich. Wahrscheinlich waren die Stativbeine nicht in vollem Winkel nach außen geöffnet, der unebene Stand auf dem groben Kopfsteinpflaster tat sein Übriges. Eine Windbö verfing sich in der Tüte und Kamera mitsamt Objektiv kippten Kopfüber mit dem Stativ zusammen Richtung Kopfsteinpflaster. Fallhöhe der Kamera ca. 1,20 Meter …

Irgendwie sieht man das ganze in Zeitlupe passieren. Trotzdem kann man nicht reagieren. Und so schlugen dann meine 6D und das aufgesetzte EF16-35/4 fast frontal auf dem Steinboden auf. Das sind so die Momente wo sich der Magen umdreht. Geschockt habe ich alles wieder eingesammelt und mit einem schlimmeren Schaden gerechnet, schließlich schlug alles frontal und ungebremst auf. Der erste schnelle Check ergab eine gebrochene Gegenlichtblende und ein kleines Stück Plastik, welches aus dem Filtergewinde des Objektivs gebrochen war. Die Frontlinse war unbeschädigt. Die 6D hatte ein bisschen Dreck außen anhaften, sonst war nix weiter zu erkennen.

Kaputt oder nicht?

Nächster Check .. einschalten der Kamera. Das Display geht an, die Sensorreinigung wird angezeigt und das Objektiv scheint beim halben Durchdrücken des Auslösers zu fokussieren. Beim Fokussieren selber hört man den Bildstabilisator gewohnt arbeiten. Puhh .. Glück gehabt? Nach dem Sturz machte ich noch ein paar Bilder, und dann ging es nach Hause – mit einem leicht unguten Gefühl im Bauch …evtl. haben Objektiv oder Body doch einen Schlag abbekommen?

Zuhause dann erst einmal ein paar Tests. Alles sah soweit gut aus. Das Ende vom Lied: Nach diesem ungebremsten Sturz aus ca. 1,2 Meter Höhe vom Stativ auf Steinboden war die Gegenlichtblende aus Plastik irreparabel  gebrochen und musste ersetzt werden. Aus dem Filtergewinde des EF16-35/4 fehlten ca. 1cm … aber Filter passen nach wie vor ohne Probleme hinein und bei aufgesteckter Gegenlichtblende hat das Streulicht durch die klitzekleine Lücke bei ND Aufnahmen bis 30 Sekunden bisher nie gestört. Ansonsten funktionieren Kamera und Objektiv bis heute einwandfrei. Lediglich die Spuren an meinem geliebten UWW sind geblieben:

Das nachfolgende Bild der schönen Burg Eltz entstand übrigens ein paar Minuten nach dem Sturz mit dem beschädigten Equipment (komplettes Bild und ein 100% Crop-Ausschnitt) 🙂

Ein Sturz mit fünf Treppenstufen

Die zweite Story ist jene, die gerade eine Woche zurück liegt und mich auch für diesen Blog-Beitrag inspiriert hat. Nach drei Monaten Pause ging es in unserem 3er Foto-Team endlich mal wieder los, um in Ruinen und zerfallenen Gebäuden auf Motivjagt zu gehen und sich dabei schön dreckig zu machen. Wellness für Lost-Place Fotografen/innen halt. Nachdem Daniela, Norbert und ich schon die ersten beiden Ruinen hinter uns hatten war die Stimmung gut wie immer und wir landeten schließlich auf einem alten Fabrikgelände. Diese Location bot uns eine Menge klassischer und schöner Lost-Place Motive und wir tobten uns entsprechend aus.

Wir waren schon fast durch und auf dem Rückweg, als Danielas Nikon D750 mit aufgesetztem UWW Objektiv aus der Arca Swiss kompatiblen Halterung ihres Stativs rutschte, auf dem Boden aufschlug und anschließend wie in einem schlechten Film noch 5 Treppenstufen mitnahm. In der leeren Halle hörte man jeden neuen Aufschlag sehr deutlich. Ein widerliches Scheppern, wenn man weiß was da gefallen ist. Schließlich kam die Kamera auf dem Boden unter der Treppe zur Ruhe. Das schwenkbare Display stand schief ab, das Akkufach war geöffnet und der Akku draußen. Ebenfalls lagen um die Kamera herum Bruchstücke der Gegenlichtblende. Zu dem Zeitpunkt gingen wohl alle von uns von einem heftigen Schaden aus. Es sah einfach zu schlimm aus.

Bestandsaufnahme

Ziemlich geschockt wurde alles eingesammelt. Auf dem hinteren Display der D750 war ein Bruch zu erkennen. Die Gegenlichtblende des Objektivs war völlig zerstört, die Frontlinse aber noch unbeschädigt.Das Klappdisplay der Kamera stand etwas schief ab und lies sich nicht einklappen. Hier war wohl eines der kleinen Scharniere leicht verbogen, vielleicht war auch Dreck in dem Scharnier. Mit ein bisschen sanfter Gewalt ließ sich das Display aber schließlich nach einigen Minuten Fummelei zum Einrasten überreden.

Daniela hatte zum Glück die D750 mit einem Displayschutz aus Echtglas versehen, zog dieses Schutzglas ab und zum Vorschein kam ein unversehrtes Display. Nach Einsetzen des Akkus ging die Kamera erst einmal normal an, lies sich auslösen und zeigte das geschossene Bild auf dem Display an. Die D750 löste tadellos aus, machte Fotos wie eh und je und schien den Sturz gut überstanden zu haben. Lediglich an der Ecke vom Akkufach gab es eine Kitsche, welche bis auf das Metallgehäuse durchgeschlagen war. Folgende Bilder hat mir Daniela für den Beitrag hier von Kamera und Objektiv zur Verfügung gestellt und ich denke die sprechen für sich.

Im Endeffekt funktionieren Kamera und Objektiv aber trotz des Sturzes einwandfrei. Lediglich die Gegenlichtblende ist völlig hinüber und der Displayschutz aus Echtglas muss nun erneuert werden. Unglaublich, wenn man bedenkt, welche Kräfte bei einem solchen Sturz auf das Equipment wirken.

Bewährtes Equipment ist robuster als gedacht

Mein Resümee für diesen Artikel: Bei aktuellen DSLRs hält man eine Menge erprobter und robuster Technik in den Händen. Man tut gut dran, diese zu Pflegen. Passiert dennoch ein Missgeschick, dann ist die Hardware glücklicherweise oft härter im Nehmen als man denkt. Viele Smartphones oder Kompaktkameras hätten die beschriebenen Stürze wohl nicht überlebt. Man sollte es zwar nicht drauf ankommen lassen, aber wenn etwas passiert, dann sind die handelsüblichen DSLRs keine empfindlichen Divas. Display und Gehäuse lassen sich darüber hinaus auch zusätzlich schützen. Seit der Erfahrung mit Danielas D750 klebt ein Echtglas-Schutz auch auf dem Display meiner Canon .. ohne Beeinträchtigung der Touch-Funktion übrigens.

So kann man sein Equipment schützen

Gegen Herunterfallen sichern

Sein komplettes Equipment möglichst gut gegen Stütze zu sichern ist definitiv eine sinnvolle Sache. Bei Stativköpfen werden die meisten Fotografen ein Arca Swiss kompatibles System verwenden. Hier kann man drauf achten, dass die Aufnahme für die Stativplatte einen Sicherungspin aufweist. Bei dem von mir genutzten Kopf “Sirui E10” ist z.B. Metallpin vorhanden, welcher die Stativplatte selbst dann in der Führung hält, wenn die Platte zu locker eingespannt ist oder sich löst:

Weiterhin kann man sein Equipment sehr gut gegen Herunterfallen sichern, indem man gute und stabile Handschlaufen, Sling-Gurte oder Halterungen wie den Capture Pro Clip von Peak Design verwendet. All diese Tools gestatten ein flexibles Arbeiten und erhöhen zugleich die Sicherheit gegen unbeabsichtigtes Fallenlassen.

Dispaly schützen

Den Tipp hab ich dankbar von der Daniela übernommen, nachdem ich gesehen habe wie ihr D750 Display dank der Echtglasplatte den Sturz unbeschadet überlebt hat.

Mittlerweile habe ich eine entsprechende Glasschutzplatte auf meiner EOS 5DIV drauf und selbst die Touch-Funktion funktioniert ohne irgendeine Einschränkung oder Verzögerung.

Body schützen

Auch den Kamerabody kann man gegen äußere Einwirkung schützen. Nach den erlebten Stürzen setze ich aber viel Vetrauen in die höherwertigen Bodies von Canon und Nikon mit Metallgehäuse. Bei günstigeren Bodies sind die verwendeten Materialien aber evtl. nicht ganz so robust wie bei den hier beschriebenen D750 oder 6D Bodies. Hier lässt sich mit gummierten Schutzhüllen die “Überlebenswahrscheinlichkeit” im Ernstfall aber auch erhöhen.

Sicher transportieren

Und letztendlich ist es immer empfehlenswert, sein Material sicher zu transportieren. Ob eine Fototasche zum Umhängen oder ein Fotorucksack. Polsterung und Wetterfestigkeit können im Ernstfall über Sieg und Niederlage entscheiden. Aber sparen sollte man hier meiner Meinung nach auch nicht .. das wäre am falschen Ende gespart. Rucksack und Tasche habe ich mit Wetterschutz gekauft. Sollte es zu wolkenbruchartigen Regenfällen kommen kann ich so das Material verstauen und ein Regen-Cape über die Tasche ziehen.

Fazit

Eigentlich kann man immer nur hoffen, dass man vor solchen Zwischenfällen verschont bleibt. Leider steigt die Wahrscheinlichkeit für Unfälle aber mit der Intensität des Hobbys an. Zwar ist gutes Kameraequipment schon sehr robust wie die Beispiele zeigen – aber leider kann es auch mal daneben gehen und eine Garantie gibt es nicht. Welche zusätzliche Ausrüstung man nutzt um sich abzusichern ist individuell sicher verscheiden und die Meinungen gehen hier auseinander. Aber nachdem ich schon seit langem auf Handschlaufe und Capture-Pro Clip sowie einen guten Kamerarucksack gesetzt habe, habe ich direkt nach dem letzten Zwischenfall noch wie gesagt einen Glas-Dispalyschutz auf dem Display meiner Kamera angebracht. Vielleicht rettet der ja mal mein Display .. wer weiß das schon.

Sein Material gut zu behandeln ist für mich selbstverständlich. Aber das klappt nicht immer und Missgeschicke passieren. Nach solchen Zwischenfällen bin ich aber auch immer wieder überrascht, was das Foto-Material so alles aushält.

3 Kommentare

  1. Sehr gut geschrieben. Schon bei der Beschreibung wie sich die Kamera in Zeitlupentempo dem Boden nähert stellen sich mir die Nackenhaare auf. Kann man richtig nachfühlen. Ein Glück nichts passiert.

    1. Dankeschön! Definitiv sind das die Momente, die man vermeiden möchte. Und mittlerweile sind auch meine Bodies und die wichtigsten Linsen versichert. So oft wie das Zeug in Benutzung ist …
      Gruß und dir ein schönes WE.
      Jens

  2. Hallo Jens
    Ich erinnere mich genau wie mir einmal aus Unachtsamkeit mein 105mm Makro aus der Tasche fiel, und mit voller Wucht auf den Asphalt prallte.
    Der Bildstabilistator war hinüber was mich ca. 120 Euro für die Reparatur bei Sigma gekostet hat.

    Seitdem achte ich genau welche Objektive ich auf Fototour benötige und das alles sicher verstaut ist. Der Vorteil ist ich muss nicht mehr so viel mit mir herumschleppen seit ich mir im Vorfeld Gedanken darüber mache was ich fotografieren will.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.