Die 6D mit Magic Lantern (2) – Dual-ISO Test

Nach Teil 1 und einem ersten Eindruck war es etwas stiller geworden um meine 6D und Magic Lantern. Nicht, dass ich in der Zwischenzeit nichts mit der 6D gemacht hätte . Für Vieles war es aber schlicht nicht relevant, ob ML auf der Kamera installiert ist oder nicht. Eine Sache, die mich vorab schon immer an der Erweiterung mit ML interessiert hat war die Möglichkeit, Bilder im Modus “Dual-ISO” zu fotografieren. Diese Erweiterung verspricht eine echte Verbesserung der Bildqualität. Sie wirkt sich dabei nicht nur auf JPEG Aufnahmen aus, sondern auch auf die RAWs. Erreicht wird dies durch ein verändertes Auslesen des Sensors.

Was ist der Dual-ISO Mode?

Kurz gesagt geht es darum, den Sensor bei einer einzelnen Aufnahme mit zwei verschiedenen ISO Empfindlichkeiten auszulesen. Da natürlich ein einzelnes Pixel nicht mit zwei Empfindlichkeiten ausgelesen werden kann, wird das ganze zeilenweise umgesetzt. Wie das funktioniert, sieht man an diesem Ausschnitt eines Dual-ISO RAWs und wie es ausschaut, wenn ein solches RAW einfach in Lightroom importiert wird.

Abb. 1: 100% Ausschnitt eines Dual-ISO RAWs

Dieses RAW wurde mit Dual-ISO 100/1600 aufgenommen, die Zeilen sind abwechselnd mit ISO 100 und ISO 1600 aufgenommen worden. Lightroom oder andere RAW-Converter können damit nichts anfangen. Hierzu muss das Dual-ISO RAW zuerst mit dem Tool “cr2hdr.exe” in ein DNG überführt werden. Eine ZIP-Datei mit allen notwendigen Dateien und einer kurzen Anleitung sind über das Forum von Magic Lantern verfügbar (Link).

Konvertierung der RAW-Datei

Das Konvertieren der Datei in eine DNG-Datei ist nach dem Herunterladen und Entpacken recht simpel. Eine Dual-ISO RAW (*.cr2) wird im Windows-Explorer einfach per Drag&Drop auf die cr2hdr.exe gezogen und los gelassen. Danach konvertiert das Programm die RAW Datei in ein DNG (Abb. 2).

Abb. 2: Konvertierung einer Dual-ISO CR2 in DNG

Die fertige DNG-Datei lässt sich dann ganz normal in LR einlesen. Interessant ist auf dem Screenshot, dass das Programm schon im Fenster einen Effekt anzeigt, den man sich von der Dual-ISO Möglichkeit erhofft: die Erhöhung des dynamischen Bereichs eines Fotos. Bei der in diesem Beispiel verwendeten Datei mit 3EV Spreizung soll sich theoretisch die Dynamik des Bildes von ca. 11.5 EV auf fast 14 EV erhöhen.

Vergleich in Lightroom

Nach der Konvertierung geht es wieder zurück in den RAW-Converter. In Lightroom wollte ich nun eine bei ISO100 normal aufgenommene RAW Datei (cr2) mit dem Dual-ISO File (DNG) vergleichen. Nach dem Einlesen beider Dateien sehen diese im Vorschaufenster ohne jegliche Bearbeitung erst einmal fast identisch aus (Abb. 3).

Abb. 3: RAW bei ISO 100 (links) und Dual-ISO RAW 100/1600 (rechts) in LR

Auch bei einem vorsichtigen Spreizen der Tonwerte (Lichter -50 / Tiefen + 50) ist kein wirklicher Unterschied in den Dateien zu erkennen. Die Details in den Schatten sind identisch und durch die Dual-ISO Anwendung haben die feinen Details im Bild nicht gelitten (Abb. 4).

Abb. 4: Details und Schattenbereiche bei moderater Aufhellung.

Lichter und Schatten

Um nun die Auswirkung einer Dual-ISO Aufnahme auf Lichter und Schatten und damit auch auf die Dynamik zu sehen, habe ich den Belichtungsregler mal ziemlich extrem ganz nach links und ganz nach rechts gezogen. Bei einer Dual-ISO Aufnahme mit ISO100/1600 sind die Vorteile in den Lichtern wie zu erwarten nicht vorhanden (Abb. 5). Hier verhalten sich die Dateien identisch und die Details werden von der Basis ISO (100) festgelegt.

Abb. 5: Details in den Lichtern bei -5EV Belichtung in LIghtroom

Interessanter wird es da schon in den Schatten. Canon Kameras – und auch die 6D – haben bekanntermaßen hier ihre Schwächen. Sensoren anderer Hersteller bieten hier beim Aufhellen von Schatten teilweise wesentlich mehr Reserven als Canon-Sensoren. Entsprechend gespannt war ich auf eine eventuelle Verbesserung. Und diese war schon diekt nach dem Hochziehen der Belichtung auf +5EV deutlich zu sehen. Hier schlägt sich das Dual-ISO Bild 100/1600 in den fast schwarzen Schatten deutlich besser als die ISO 100 Aufnahme (Abb. 6).

Abb. 6: Schattenbereiche aufgehellt mit +5EV

Das Ergebnis überzeugt. Die beiden aufgehellten RAWs sind noch nicht entrauscht oder anderweitig behandelt, lediglich +5EV in der Belichtung und +50 in den Schatten aufgehellt. In der Dual-ISO Aufnahme ist weitaus weniger Rauschen vorhanden und auch der Detailreichtum überzeugt. Das ist kein Vergleich zum ISO 100 RAW.

Fazit

Die Dual-ISO Funktion von ML erweitert die Möglichkeiten zum Aufhellen von Schattenbereichen bei den 6D RAW Dateien deutlich. Mit diesem ersten Test war ich zufrieden und wirklich überrascht. Befürchtete Detailverluste in den Lichtern habe ich nicht feststellen können und in den Schattenbereichen ist der Zugewinn an Details genial. Zudem zeigen die extrem aufgehellten Schattenbereiche im Dual-ISO File ein sehr geringes Rauschen.

Es scheint, gegen eine große Schwäche der Canon-Sensoren – die fehlenden Reserven beim Aufhellen von Schatten – ist mit ML und der Dual-ISO Funktion ein Kraut gewachsen. Klar, der Workflow erfordert zusätzliche Schritte, das Ergebnis überzeugt (mich) aber. Für mich ist das eine gelungene Funktion, welche ich sicher in Zukunft hier und da mal nutzen werde.

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