Astrofotografie (2) – Erster Test des Omegon Mini Track LX2

Eine astronomische Montierung hat den Zweck, ein Teleskop oder eine Kamera mechanisch synchron mit der Erdrotation nachzuführen. Die Erde dreht sich bekanntlich in 24 Stunden um 360° und das tut auch eine astronomische Montierung. Seit ein paar Tagen ist meine erste Montierung bei mir eingezogen und es ist die Omegon Mini Track LX2(*) geworden. Was an dem Teil so besonders ist, welchen ersten Eindruck ich von dem Gerät so habe und welche ersten Ergebnisse es zu berichten gibt, davon handelt dieser Blog-Artikel.

Anders als der Rest: Der Mini Track LX2 von Omegon

Für gewöhnlich sind astronomische Montierungen elektrische Motoren, die sich pro Stunde um 15° in Richtung der Erdrotation drehen. Dazu benötigen sie üblicherweise Strom. Der kommt entweder per Kabel aus der Steckdose oder wird von einem Akku bereitgestellt. Im ersten Fall ist so eine Montierung nicht gerade flexibel und eher ortsgebunden, im zweiten Fall muss der Akku immer wieder geladen werden.

Für solche Montierungen habe ich mich nie groß interessiert. Hauptsächlich, weil ich sie zu wenig nutzen würde, um die hohen Investitionssummen zu rechtfertigen. Aber nicht zuletzt auch dehalb, weil man mit einem wenig genutzten Gerät welches auf Akku läuft, nur wenig spontan ist. Will man nach langer Zeit doch einmal spontan los, ist dann mit hoher Wahrscheinlichkeit der Akku leer und muss erst geladen werden.

Erfrischend anders ist die Omegon Mini Track LX2 Montierung. Diese funktioniert rein mechanisch ohne Strom und ist sehr minimalistisch. Das Prinzip beruht auf Zahnrädern und Federn, die sich aufziehen und spannen lassen und dann für eine gewisse Zeit die Kamera nachführen können. Ich habe von dieser Montierung zuerst in einem Forum etwas gelesen, dann ein oder zwei Testberichte dazu gegoogelt und habe mich sofort verknallt. Der verhältnismäßig günstige Preis für die machanische Montierung war dann noch das i-Tüpfelchen. Seit ein paar Tagen nun ist das Omegon Mini Track LX2 bei mir eingezogen.

Der erste Eindruck

Den Omegon Mini Track LX2 gibt es in zwei Varianten zu kaufen. Einmal als blanke Montierung und einmal im Set mit einem Arca-Swiss kompatiblen Kugelkopf für die Kamera. Bei mir ist es der Omegon Mini Track LX2 samt Kugelkopf(*) geworden. Die Lieferung bestand aus einem Karton für den Mini Track LX2 und einem weiteren, kleinen Karton für den Kugelkopf. Also erst einmal auspacken. Der Kugelkopf macht einen soliden, wertigen Eindruck und ist .. nun ja .. halt ein gewöhnlicher Kugelkopf (Abb. 1).

Kugelkopf von Omegon im Set mit der Montierung
Abb. 1: Kugelkopf von Omegon im Set mit der Montierung

Der Omegon Mini Track LX2 selber ist da schon ungewöhnlicher. Er sieht aus wie ein länglicher, flacher Knochen von ungefähr 20cm Länge. Im Karton befindet sich die Montierung selber, ein Polsucher-Röhrchen, eine 1/4″-Gewindeadapter für Stativköpfe und ein Werkzeug, um den schon installierten 3/8″ Gewindeadapter gegen den 1/4″ Gewindeadapter zu tauschen. Beim Kauf des Sets mit dem Kugelkopf braucht man sich hierzu keine Gedanken zu machen. Dieser passt ohne Umbau “out-of-the-box” auf die Montierung (Abb. 2).

Omegon Mini Track LX2 mit aufgeschraubtem Kugelkopf und Polsucher-Röhrchen
Abb. 2: Omegon Mini Track LX2 mit aufgeschraubtem Kugelkopf und Polsucher-Röhrchen

Vom Material her kann man nicht meckern. Insgesamt macht das Set einen sehr hochwertigen Eindruck, eigentlich alles ist aus Metall gefertigt. Lediglich das Polsucher-Röhrchen ist aus Plastik, fühlt sich aber ebenfalls robust an. Um die Montierung zu spannen, dreht man das Aufziehrad im Uhrzeigersinn. Dadurch wird ein mechanisches Federwerk aufgezogen, welches dann langsam die Federspannung wieder entlädt und dabei den aufgeschraubten Kugelkopf um 15° pro Stunde dreht (Abb. 3).

Wichtige Bauteile des Mini Track LX2
Abb. 3: Wichtige Bauteile des Mini Track LX2

Das ganze klingt akustisch tatsächlich wie eine Eieruhr in der Küche. Während sich die Federspannung entlädt, macht es stetig “klick-klack-klick-klack”, wie man das halt aus der Küche kennt. Lustigerweise klingelt der Omegon Mini Track LX2 sogar wie eine Eieruhr, wenn die Federspannung sich entladen hat 🙂

Besonderheiten der Montierung

Das eine so ungewöhnliche Montierung mit ein paar Besonderheiten einhergeht, steht außer Frage. Zum einen ist da die Laufzeit zu nennen. Der Mini Track LX2 kann eine Kamera ca. 1 Stunde nachführen, danach muss die Kamera neu auf den Himmelsausschnitt ausgerichtet und der Mechanismus neu aufgezogen werden. Als zweite Besonderheit sei auf das Federsystem unterhalb der Montierung hingewiesen. Diese Häkchen sehen schon ein wenig komisch aus, haben aber eine ganz konkrete Funktion. Wird die Kamera stark nach Osten oder Westen ausgerichtet, entsteht dadurch ein Übergewicht zu einer Seite. Je nachdem wie stark dieses Übergewicht an der Mechanik zieht, kann dies zu Ungenauigkeiten bei der Nachführung führen.

Mithilfe des Federsystems kann ein Gegenzug aufgebaut werden, damit das mechanische System wieder halbwegs frei und gleichmäßig nachführen kann. In der Bedienungsanleitung der Montierung ist dies gut erklärt und es sind auch einige bebilderte Beispiele enthalten. Hier finden sich ein paar Kamerapositionen und beispielhafte Angaben, wie die Konterfeder einzustellen ist.

Die gesamte Konstruktion ist nach Herstellerangaben für eine Kamera samt Objektiv mit maximal 2kg Gewicht geeignet. Damit stößt man schon mit einer Vollformat-Kamera samt 70-200/2.8 an die Grenzen. Gedacht ist die Omegon Mini Track LX2 aber eher für weitwinklige Astrofotos. Hier ist man mit Kamera samt (Ultra)-Weitwinkel von Gewicht her auf der sicheren Seite.

Die Ausführung “LX2” ist lediglich zur Nachführung der Kamera auf der Nordhalbkugel geeignet. Mittlerweile hat Omegon eine Version namens “Omegon Mini Track LX2 NS“(*) im Angebot, mit der nach einem Umbau auch auf der Südhalbkugel nachgeführt werden kann. Diese Version ist etwas teurer als die Grundversion, dafür aber insbesondere interessant für Fotografen, die viel reisen und auch mal auf der Südhalbkugel des Planeten unterwegs sind.

Belichtungszeiten

Die Montierung ist wie schon mehrfach geschrieben voll mechanisch und sehr simpel aufgebaut. Diese Reduktion auf das Wesentlich ist genau das, was dieses Gerät so interessant macht. Es ist aber auch so, dass durch diese Reduktion und die mechanische Ausführung nicht so lange Belichtungszeiten möglich sind wie mit größeren, elektrischen Montierungen. Diese sind dann aber nicht nur größer und schwerer, sondern auch in der Regel signifikant teurer. Für den Omegon Mini Track LX2 gibt der Hersteller Empfehlungen für die mit dieser Montierung möglichen Belichtungszeiten an:

Zeit [min] = 100 / Brennweite Objektiv [mm]

Damit landet man aber immerhin für ein 14mm Ultraweitwinkel bei 7 Minuten und bei 100mm immerhin noch bei 1 Minute. Das ist deutlich länger, als dies ohne Nachführung überhaupt denkbar wäre. Hier ist ja selbst bei Ultraweitwinkelaufnahmen bei 20-30 Sekunden Schicht im Schacht.

Erster Test der Montierung

Wenn man am Niederrhein wohnt und im Juni solch eine Montierung bekommt, muss man hart im Nehmen sein. Der Drang ist da, das Neugerät sofort zu testen. Aber der Wolkenhimmel zeigt dir in der Regel aber erst einmal den Stinkefinger. So auch natürlich in diesem Jahr – wie soll es anders sein. Der Juni ist aktuell voll von Regenschauern, Gewittern, Sturmböen und dicken Wolkendecken. Jeden Tag schaue ich in diverse Wetter-Apps um abschätzen zu können, ob sich überhaupt mal ein Test lohnt. Das geht seit ein paar Tagen so und einmal hatte ich “Glück”, weil die Wolkendecke gegen 23:30 Uhr für 1-2 Stunden komplett aufgerissen ist.

Also habe ich versucht, dieses Zeitfenster für einen ersten Funktionstest zu nutzen. Da es eine Premiere mit dem Gerät war und Kachelmannwetter.de einen wolkenlosen Korridor von max. 2 Stunden prognostizierte, habe ich einfach – faul wie ich bin – die Terrassentüre geöffnet und Stativ + Montierung im Garten aufgebaut.

Einnorden der Montierung

Bevor der Test losgehen kann, muss natürlich die Montierung an der Rotationsachse der Erde ausgerichtet werden (eingenordet werden). Dazu ist es vom Hersteller so angedacht, dass man die Montierung samt aufgestecktem Polsucher-Röhrchen so ausrichtet, dass der Polarstern (Polaris) bei einem Blick durch das Röhrchen zu sehen ist (Abb. 4).

Polaris muss beim Blick durch den Sucher durch die Öffnung zu sehen sein.
Abb. 4: Polaris muss beim Blick durch den Sucher durch die Öffnung zu sehen sein.

Dabei sind mir beim ersten Mal einige Dinge aufgefallen, die ich hier – ggf. mitsamt Verbesserungsvorschlägen – mal aufgelistet habe:

  • Der montierte Kugelkopf kann mit seinen Drehknöpfen beim Ausrichten im Weg sein. Mit aufgesetzter Kamera dürfe der Blick durch das Polsucher-Röhrchen in der Regel ganz blockiert sein.
  • Das Ausrichten der gesamten Montierung mit einem kleinen Kugelkopf ist ein Geduldspiel. Am besten ist es meiner Meinung nach, den Kugelkopf nur so weit zu lösen, dass er sich nur mit viel Reibung langsam verstellen lässt. Ich habe mir zwischenzeitlich einen 3-Wege Getriebeneiger von Manfrotto(*) bestellt. Nach vielen Schilderungen soll das Einnorden hiermit wesentlich komfortabler gehen. Ich werde berichten 😉
  • Der Blick durch das Röhrchen ist nicht allzu komfortabel. Bei bodennahen Aufnahmestandpunkten eigentlich schon fast unmöglich. Von der Seite www.sternenhimmel-fotografieren.de gibt es ein gutes YouTube-Video dazu, wie man den Omegon Mini Track LX2 mithilfe eines Lasers einnordet. Unter dem Video finden sich ebenfalls alle Links die benötigt werden, um sich das dafür notwendige Material für ein paar Euro zu bestellen. Meine Bestellungen laufen 😉

Nach ein paar Minuten Fummelei hatte ich schließlich dann Polaris fast mittig in der Öffnung des Polsucher-Röhrchens. Für einen Moment hab ich überlegt, ob ich die Montierung nach der sogenannten “Kochab-Methode” noch genauer Einnorden soll. Nach kurzem Überlegen war mein erster Gedanke aber eindeutig ein “Nö!” – und dabei bin ich auch geblieben. Vielmehr wollte ich einmal testen, was mit solch einer “Pi-mal-Daumen” Ausrichtung geht und was nicht.

Erste Testbilder

Der Test fand wie schon geschrieben aufgrund des bescheidenen Wetters zu diesem Zeitpunkt im heimischen Garten statt. Neben den schlechten Bedingungen (Streulicht durch Laternen und umliegende Häuser) ist es natürlich im Juni auch nicht wirklich dunkel gegen 0:00 Uhr. Deswegen zeigen die ersten Tests auch keine Milchstraße, sondern sind nur grob in Richtung Nord-Ost in den spätabendlichen Himmel geschossen.

Die nachfolgende Abb. 5 zeigt ein erstes Bild, aufgenommen noch ohne Nachführung durch die Montierung. Es ist eine Einzelbelichtung vom Stativ mit dem Samyang 14mm f/2.8 an der Canon EOS 5DIV. Es wurde für die Dauer von 120 Sekunden bei f/8 und ISO100 belichtet. Dieses Bild ist einfach deshalb entstanden, um zu zeigen, wie stark die Erdrotation bei zweiminütiger Belichtungszeit schon bei 14mm zuschlägt. Selbst in diesem großen Ausschnitt siehen die Sterne sichtliche Sruren. Da der Himmelspol sich fast am linken Bildrand befindet, ist dies natürlich auf der rechten Seite ausgeprägter.

Gerade bei den Sternen am rechten Bildrand (weiter entfernt vom Himmelspol) ist die Rotation deutlich zu sehen
Abb. 5: Gerade bei den Sternen am rechten Bildrand (weiter entfernt vom Himmelspol) ist die Rotation deutlich zu sehen

Der gleiche Himmelsausschnitt mit der astronomischen Nachführung. Objektiv und Kamera waren identisch. Hier wurde aber schon180 Sekunden lang mit f/8 und ISO100 belichtet – allerdings mit Nachführung (Abb. 6).

Schon in dieser Ansicht ist der Unterschied deutlich
Abb. 6: Schon in dieser Ansicht ist der Unterschied deutlich

Im nachfolgenden Vergleich habe ich einmal eine identische Region aus der Bildmitte aus beiden Aufnahmen gegenübergestellt. Links ein Ausschnitt (100%) aus der 120 Sekunden langen Belichtung ohne Nachführung, rechts ein Ausschnitt (100%) aus der 180 Sekunden langen Belichtung mit Nachführung. Die Unterschiede sind sehr deutlich (Abb. 7).

 Gleiche Sternenregion - links ohne, rechts mit Nachführung durch den Omegon Mini Track LX2
Abb. 7: Gleiche Sternenregion – links ohne, rechts mit Nachführung durch den Omegon Mini Track LX2

Die Sterne in der nachgeführten Aufnahme gehen als punktförmig durch. Durch die Blende 8 lässt sich sogar so etwas wie ein Blendenstern beim hellsten Stern erahnen. Das Rauschen ist wie zu erwarten niedrig, da bei ISO100 aufgenommen wurde – und dies schon ohne irgend welche Bildbearbeitung.

Erstes Fazit

Der erste Test des Omegon Mini Track LX2 hat schon einmal Lust auf mehr gemacht. Zwar war das Einnorden fummelig. Ich hoffe jedoch, dass dies noch merklich komfortabler wird, sobald 3-Wege Getriebeneiger sowie der Laser hier eintreffen.

Die Montierung macht einen sehr stabilen Eindruck und tut das, was sie soll. Ich freue mich schon darauf, zukünftig anstatt mit Offenblende und ISO1600 bis ISO3200 für Einzelbelichtungen bei ISO100 und etwas geschlossenerer Blende arbeiten zu können. Beides kommt der Güte des Rohmaterials zugute.

Was fehlt jetzt noch? Natürlich gutes, wolkenloses Wetter. Hier am Niederrhein Glücksache, aber mal schauen, was die nächsten Wochen so bringen 😉
 

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