Astrofotografie (4) – Das leidige Thema der Lichtverschmutzung

Mit Lichtverschmutzung setzt man sich üblicherweise erst dann auseinander, wenn man nachts den Blick in den Himmel richtet und sich später fragt, warum man trotz wolkenlosem Himmel so wenig Sterne gesehen hat. Oder – anderes herum – wenn man mal an einem Ort ohne nennenswerte Lichtverschmutzung ist und sich wundert, wie viele Sterne dort auf einmal zu sehen sind. Je mehr man dann Teleskope oder Kameras auf den Nachthimmel richtet, desto mehr wird man sich dem Thema widmen müssen.

Meine Hindernisse bei der Astrofotografie

Meine drei größten Hindernisse in Bezug auf Astro- und Milchstraßenfotografie sind zuerst einmal mein regulärer Job. Denn bis spät nachts draußen fotografieren zu gehen, kollidiert schon ein wenig mit meinen Schlafzeiten, die ich wiederum brauche um meine Bürozeiten wach und fit wahrzunehmen. So bleibt für solche Fotografie nur die Wochenenden, Feiertage oder die Urlaubszeit übrig. Mein zweites Hindernis ist das Wetter am Niederrhein. Meistens ist der Niederrhein wolkenverhangen. Klare Nächte sind nicht häufig, will sagen: selten. Die Kombination von Hindernis eins und zwei macht es im Gesamten nicht besser … Mein drittes Hinternis bzw. ein wirkliches Problem ist die Lichtverschmutzung, denn ich lebe HIER:

Karte der Lichtverschmutzung um meinen Wohnort
Abb. 1: Ich wohne da, wo der Himmel mit “Lichtschmutz” zugemüllt wird (https://www.lightpollutionmap.info/)

Einerseits bringt es eine Menge Vorteile mit sich, nahe der Ballungszentren in NRW zu wohnen. In die eine Richtung fahre ich 10 Minuten nach Venlo zu den Nachbarn einkaufen, in unter einer Stunde bin ich in Mönchengladbach, Krefeld, Duisburg, Düsseldorf oder Köln. Das ist ziemlich cool, wenn du was unternehmen willst, ins Kino möchtest oder mal shoppen gehen musst. Es ist gleichzeitig aber auch ziemlich ätzend, wenn du gerne mal Sterne fotografieren möchtest.

Rund um mich und meinen Wohnort herum ist der Himmel sehr stark durch Licht verschmutzt. In Blickrichtung Osten ist die Lichtglocke des Ruhrgebiets präsent, in Richtung Westen – und das ist kein Witz – überstrahlen die Gewächshäuser der niederländischen Grenzregion fast alles.

Warum gibt es Lichtverschmutzung

Okey, solche Gebiete wie das Ruhrgebiet strahlen also eine Menge Licht ab. Das weiß jeder, der schon einmal bei wolkenverhangenem Himmel abends Langzeitbelichtung im Ruhrgebiet versucht hat. Der Himmel ist auf solchen Bildern nahezu orange – und das quer durchs ganze Ruhrgebiet (Abb. 2).

Abb. 2: Himmel über dem bunt beleuchteten Landschaftsparkt DU Nord – Farben “out of cam”

Nun gut, also das Licht der Stadt streut an den Wolken, in dem Beispiel über dem Ruhrgebiet, zurück und auf Langzeitaufnahmen wirkt der Himmel entsprechend “beleuchtet”. Bei bewölktem Himmel ist das logisch, doch warum ist die Lichtverschmutzung auch in wolkenlosen Nächten ein Problem?

Das liegt daran, dass auch in wolkenlosen und klaren Nächten die Luft nicht ganz klar ist. Sei enthält ganz feine Wasserdampftröpfchen und Staubpartikel. An diesen Partikeln wird das Licht vom Boden gestreut. Auf den ersten Blick macht das nicht viel, der Himmel erscheint uns nach wie vor dunkel und fast schwarz. Jedoch wäre er noch wesentlich dunkler, gäbe es das Licht von unten nicht. Uns fällt das im Alltag nicht auf weil der Nachthimmel uns immer noch sehr dunklel erscheint, aber schwache Objekte des Sternenhimmels werden mit zunehmendem Streulicht immer schlechter zu erkennen.

Für Objekte wie beispielsweise die Milchstraße ist das fatal. Während sie in klaren, deindustrialisierten Gebieten, in den Bergen oder in sehr abgelegenen Gebieten sehr gut am Himmel zu erkennen ist, kann man sie z.B. im Ruhrgebiet nicht sehen. Keiene Chance. Und auch die Fotografie getaltet sich dann als schwierig. Dadurch, dass der Himmel nachts durch die Lichtverschmutzung aufgehellt ist, ist der Kontrastunterschied zwischen Milchstraße und Himmel viel geringer als bei einem Himmel ohne Lichtverschmutzung. Feine Details etc. lassen sich so fast nicht mehr aufnehmen.

Wie finde ich heraus, wie stark der Himmel bei mir verschmutzt ist?

Zur Lichtverschmutzung gibt es ein paar tolle Ressourcen im Netz, die bei der Planung helfen. Es gibt LIchtverschmutzungskarten, die z.B. als Overlay über Google-Earth Karten gelegt werden können. Empfehlen möchte ich aber die Seite https://www.lightpollutionmap.info/, auf der es eine interaktive Lichtverschmutzungskarte gibt.

Diese ist so wertvoll, weil dort Werte für die sogenannte Flächenhelligkeit hinterlegt sind. Einfach auf einen potentiellen Beobachtungsort klicken und es öffnet sich ein Fenster mit Angaben zur Flächenhelligkeit (Abb. 3).

Abb. 3: Detailinformationen zum Standort

Dort finden sich insbesondere zwei Werte, die jeweils ineinander umgerechnet werden können und angeben, wie hell ein genormtes “Stück” Nachthimmel erscheint. Zum einen die SQM (Sky Quality Meter) in mag/arc*sec², sowie die “Brightness” in der Einheit mcd/m². Beide Werte lassen sich über eine mathematische Beziehung ineinander umrechnen. Das ist aber nebensächlich. Interessant ist, dass man anhand des SQM Wertes einordnen kann, wie sinnvoll Sternenbeobachtungen oder Astrofotografie von einem gewählten aus Standort ist. Für eine grobe Einteilung kann folgende Abbildung verwendet werden.

Abb. 3; Sichtbarkeit der Milchstraße abhängig vom SQM Wert

Mithilfe der Webseite und der Skala ist es möglich, geeignete Beobachtungs- und Fotostandorte zu recherchieren. Ab einem Wert von ca. 21 SQM wird es interessant. Dunker ist aber immer besser.

Je nach Wohort fährt man weit

Schaut man sich die Light Pollution Map einmal näher an, dann wird klar, wie stark die Güte des Nachhimmels vom eigenen Wohnort abhängig ist. Bei mir sieht es leider so aus, dass ich unter ca. 1 Stunde Fahrt keinen Nachhimmel zu sehen bekomme, dessen Flächenhelligkeit um 21 SQM herum liegt. Wenn ich Werte zwischen 21 und 22 SQM möchte, muss ich schon tief in die Eifel aufbrechen.

Aber was tut man nicht alles für sein Hobby 😀

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