Blogging time: Pro und Contra TfP

Fotoshootings auf Basis von TfP (wahlweise Time for Prints oder Time for Pictures) sind gang und gäbe unter Hobbyfotografen. Meistens sind das dann Treffen von (Hobby)-Fotograf und (Hobby)-Model unter dem Motto “Hey, lass’ uns coole Bilder machen”. TfP-Shootings sind eine gute und manchmal auch die einzig sinnvolle Art, sich ein gutes Portfolio aufzubauen. Bei all den ganzen Vorteilen bringen TfP-Shootings aber auch Nachteile mit sich. Selbst wenn mit einem guten TfP Vertrag fotografiert wird, lassen sich nicht alle potenziellen Ärgernisse abfangen.

Bei den Modellen, die diesen Blogeintrag vielleicht lesen, möchte ich mich schon vorab entschuldigen. Ich agiere selber als Fotograf und habe dementsprechend die Brille eines Fotografen auf. Ich schildere also die Pro- und Contra Sicht des Fotografen, nicht die der Modelle. Wohl wissend, dass sich auch genug Leute mit Kamera im TfP Bereich tummel, über die man sich freuen oder auch ärgern kann und darf 😉

Nachteile von TfP-Shootings

Ich möchte mit den Nachteilen von TfP Shootings beginnen. Im Wesentlichen sind das für mich zwei Nachteile. Der erste liegt darin begründet, dass diese Art der Shootings kostenlos sind. Und aus meiner eigenen Erfahrung und auch aus Erzählungen anderer Fotografen weiß ich, dass dies zu einer gewissen “Unverbindlichkeit” führt, wenn es darum geht, sich an Termin und Absprachen zu halten.

Kurzfristige Absagen

Insbesondere bei Shootings mit noch nicht persönlich bekannten Modellen gibt es teils hohe “Ausfallquoten”. Der Klassiker ist die SMS oder WhatsApp am Tag des Shootings selber, dass das Shooting wegen Krankheit/Hund/Oma/Eltern/Auto oder sonstigen Gründen leider ausfallen muss. Ich hab es schon erlebt, dass ich mein Auto voll mit Fotokram, Stativen und Softboxen hatte und dann ein paar Minuten vor Abfahrt die SMS eintrudelt, dass das Shooting leider ausfallen muss. Und ich weiß, dass dies auch anderen Fotografen so geht.

Aus Erfahrung ist es so, dass bei neuen Modellen (insbesondere Anfängern) das geplante Shooting mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50% ausfällt. Diese Ausfallquote wird aber deutlich besser, sobald man Modelle mit mehr Erfahrung fotografiert oder Termine mit Modellen mach, die man selber schon einmal erfolgreich und zuverlässig vor der Linse hatte. Und eine weitere Erfahrung ist, dass Shootings umso häufiger ausfallen, je mehr sie in der Zukunft geplant sind.

Was meine ich damit? Wenn jemand “für morgen” ein Shooting in TfP Gruppen sucht und es finden Fotograf und Model zusammen, dann findet das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit statt. Werden Shootings auf lange Sicht (vielleicht erst in zwei oder drei Monaten) geplant, fallen diese meiner Meinung nach öfter aus. Jeder angehende TfP Fotograf sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass gerade zu Anfang eine gewisse Frusttoleranz da sein sollte. Lasst euch gesagt sein: Das geht vielen so, nicht nur euch.

Konsequenzen

Wie geht man mit solchen kurzfristigen Absagen um? Zuerst versuche ich, Shootings nicht auf die lange Bank zu schieben. Wenn ich einen Termin suche, dann leg ich ihn, falls möglich in die nächsten 1-2 Wochen. Dann scheint auch bei Anfängern die Euphorie über das anstehende Shooting noch so hoch zu sein, dass es weitaus weniger zu Absagen kommt als auf lange Sicht.

Bei einem weiteren Punkt bin ich recht konsequent geworden: Wenn das Shooting einige Tage vorher ordentlich abgesagt wird, gebe ich noch einem zweiten Termin eine Chance. Faustregel: ich habe noch genug Zeit mir ein Ausweichmodel zu organisieren. Kommt die Absage aber erst dann, wenn der Akku für das Shooting schon geladen ist und ich habe mit der Person vorher noch nie geshootet, dann passiert das auch nicht mehr. Dafür ist mir meine Freizeit zu kostbar.

Wie konsequent sowas gehandhabt wird, muss jeder für sich selber entscheiden.

Eine dringende Empfehlung von mir wäre, bei aufwendigen Shootings – evtl. mit Anmietung von Visa, Räumen o.ä. – schon vorher (bevor irgend jemand irgend etwas Mietet oder Geld vorstreckt) einen Vertrag gegenseitig zu unterzeichnen, in welchem auch die Kostenübernahme für Mieten etc. geregelt ist, sollte das Shooting einseitig abgesagt werden. Sonst kostet die Absage im schlimmsten Fall nicht nur Nerven, sondern auch Geld.

Nachteil Nummer 2: Bildrechte

Der zweite große Nachteil betrifft die Bildrechte. Ich habe erst gestern einen emotionalen Beitrag eines befreundeten Fotografen gelesen, der dieses Thema aufgegriffen hat. Besagter Fotokollege fotografiert fast ausschließlich Porträt, Sensual, Halbakt sowie Akt. Ihm passiert es immer wieder, dass Modelle für TfP Fotos anfragen und später – Wochen und Monate nach den Shootings – wünschen, dass die Bilder von der Homepage des Fotografen genommen werden, weil Eltern / Mann / Freund / Arbeitskollegen die aufreizenden Bilder nicht sehen sollen.

Insbesondere in Zeiten von DSGVO & Co. betritt der Fotograf selbst mit TfP Vertrag hier ein Minenfeld. Rechtlich gesehen dürfte es trotz KUG und TfP Vertrag sinnvoll sein, dem Wunsch erst einmal nachzukommen. Oder man hat gute Nerven und lässt es darauf ankommen.

Unproblematisch ist es in jedem Fall, dem Model ebenfalls die Nutzung der Bilder zu untersagen. Am besten schriftlich. Immerhin bleibt man Urheber der Fotos. Da die Aufnahme unentgeltlich erfolgt ist, ist das Untersagen der Nutzung problemlos möglich. Leider hat man damit immer noch nicht die Gewissheit, dass die Bilder nicht doch auf Leinwand im Schlafzimmer des Models hängen oder für den privaten Bereich weiter genutzt werden. Wer will das auch kontrollieren?

Auch könnte man über “Vertragsstrafen” nachdenken. Ob diese aber rechtlich durchsetzbar sind, steht auf einem anderen Blatt. Sinnvoller wäre meiner Meinung nach von Anfang an diese Variante so im Vertrag so zu bedenken, dass die Motivation zum Widerruf später möglichst gering ist.

Als Gedankenspiel vielleicht eine Gebühr für das Shooting von pauschal 200€, deren Zahlung so lange aufgeschoben wird, so lange der Fotograf die Nutzungsrechte haben darf. Werden die Nutzungsrechte vom Model widerrufen, wird die Gebühr fällig. Ob solche Konstrukte rechtlich stand halten ist die andere Frage – da bin ich kein Experte.

Vorteile von TfP-Shootings

Aber an TfP Shootings ist ja nicht alles negativ. Sie bieten viele Vorteile. Beide Seiten können experimentell zusammenarbeiten und die Portfolios ausbauen. Fotografen sowie Modelle können neue Dinge probieren und solche Termine nutzen, um sich zu verbessern. Zudem ist es so, dass Modelle aus TfP Gruppen in der Regel Lust darauf haben fotografiert zu werden. Sie sind daher nicht gehemmt vor der Kamera und haben in der Regel auch ein entsprechendes, selbstsicheres Auftreten. Da kommt solchen Bilder zugute.

Mein gesamtes Portfolio ist auf TfP Basis entstanden und ich habe über diese Schiene eine Menge netter und interessanter Menschen kennenlernen können, Fotografen wie Modelle. Über solche Fototermine lässt sich zudem von ungeplanten “einfach mal shooten” Terminen bis hin zu Konzept-Shootings vieles realisieren.

Die Unentgeltlichkeit bringt auch Vorteile mit sich: Wenn Bilder mal nicht die Qualität erreichen die man sich erhofft hat, wurde zumindest kein finanzieller “Schaden” angerichtet. Gerade beim Testen neuer Techniken, neuer Blitze etc. kann das Ergebnis vielleicht schon mal hinter den Erwartungen herhinken. Dann waren sich aber vorher zumindest alle Beteiligten klar darüber (hoffentlich 🙂 ), dass es bei TfP Shootings keine “Garantien” für erstklassige Bilder gibt. Auch das befreit beim Fotografieren und läd zum Experimentieren ein.

Vorbereitungen für TfP Shootings

Wichtig ist in meinen Augen eine gute Kommunikation im Vorfeld. Ob telefonisch, per WhatsApp oder Messenger ist dabei egal. Und mein Rat an der Stelle wäre: Wenn sich schon hier ein paar Wochen vorher die Kommunikation als schwerfällig und schwierig erweist – lasst im Zweifelsfall die Finger vom Shooting. Wenn ich schon Tage vor dem Shooting dreimal nachfragen muss, welche Lederjacken ein Model zuhause hat und es kommt nix, dann kommt das Model wahrscheinlich auch nicht zum vereinbarten Termin 😉

Ansonsten: Stellt dem Model schon vorab ein PDF eures TfP Vertrags zur Verfügung. Wo gibt es solche Verträge? Die Model-Kartei hat letztes Jahr z.B. auf dem Blog einen DSGVO konformen Vorschlag für einen TfP Vertrag veröffentlicht:

https://www.model-kartei.de/blog/56/dsgvo-konformer-tfp-vertrag-v21-update/

Ich selber habe den auch als Vorlage für meinen aktuellen Vertrag genommen und um einige Punkte erweitert, die mir wichtig sind. Hierunter fällt z.B. das es untersagt ist, bearbeitete Bilder nachträglich mit Apps und Filter ohne vorherige Genehmigung weiter zu bearbeiten und zu veröffentlichen. Vorlagen gibt es im Netz einige und jeder sollte sich da noch die Punkte zu addieren, die einem wichtig erscheinen.

An der Kommunikation im Vorfeld spürt man schon, ob es passt und wie kompliziert oder unkompliziert eine Person ist. Anfragen zu Shooting-Begleitungen sind nichts Ungewöhnliches und sollten meiner Meinung nach nicht abgelehnt werden. Es ist ganz natürlich, dass ein meist weibliches Model vielleicht nicht ganz alleine mit einem meist männlichen Fotografen shooten will. Insbesondere, wenn es an abgelegenere Orte geht. Akzeptiert den Wunsch nach Begleitung, stellt aber von Anfang an klar, dass sich die Begleitung bitte nicht ins Shooting einmischen soll. Das kann man ganz nett und charmant machen und hat bei mir bisher immer funktioniert.

Mit ‘ner guten Vorplanung und Kommunikation muss ich sagen überwiegen bei mir nach ein paar Jahren die positiven Erlebnisse – auch wenn Absagen hier und da weiterhin nerven 😉



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