Die Belichtung – Teil 1: Einführung

Bei der Fotografie dreht sich ja eigentlich alles um die richtige – oder besser gesagt gewünschte – Belichtung des Films bzw. des Sensors. Was einfach klingt, bereitet gerade Einsteigern doch meist Kopfzerbrechen. Deshalb wollte ich mal die Belichtung in einer fünfteiligen, kleinen Serie abhandeln. Heute bei Teil 1 möchte ich allgemein was zur Belichtung erzählen bevor sich die weiteren Teile dann mit den einzelnen “Stellrädchen” der Belichtung – nämlich Verschlusszeit, ISO-Empfindlichkeit und Blende – sowie deren Zusammenspiel beschäftigen.

Die richtige Belichtung

Über die “richtige” Belichtung kann man sich, wie über viele andere Dinge rund um die Fotografie, vorzüglich streiten. Rein technisch ist ein richtig belichtetes Bild eines, wo die dunkelsten Bereiche gerade vollständig schwarz und die hellsten Bereiche gerade vollständig weiß sind. Ich geh da pragmatischer dran: für mich ist ein richtig belichtetes Bild eines, was all jene Informationen enthält, die ich für mein Ergebnis benötige. Andere Leute wieder rum würden sagen, für sie ist ein richtig belichtetes Bild eines, was so aussieht, wie sie es haben wollten.

Welche Definition auch immer zugrunde gelegt wird, letztlich geht es immer um die Lichtmenge. Die Lichtmenge, welche auf den Sensor fällt, muss zur Situation passen. Zur Beeinflussung dieser Lichtmenge hat der/die Fotograf*in zwei Stellschrauben: die Verschlusszeit und die Blende.

Die ISO-Empfindlichkeit hingegen beeinflusst die Lichtmenge nicht. Über sie wird nur gesteuert, wie empfindlich die Kamera intern mit der von Sensor registrierten Lichtmenge ein Bild errechnet. Aus praktischer Sicht kann man die ISO aber trotzdem getrost als dritte Stellschraube der Belichtung bezeichnen.

Abgesoffen oder ausgefressen?

Oft geht es beim richtigen Belichten darum, gerade den interessanten Bildteil weder im Schwarz absaufen noch im Weiß ausfressen zu lassen. Wurde ein wichtiger Bildteil so stark unterbelichtet, dass der Sensor an der Stelle nur “schwarz” registriert, dann lässt sich beim besten Willen später nix (brauchbares) mehr daraus zaubern. Das Gleiche gilt für die Überbelichtung. Sind wichtige Bildbereiche weiß und völlig “überstrahlt”, hilft in der regel auch Photoshop nicht mehr weiter.

Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn die Bilder direkt im JPEG Format gespeichert werden. Denn es gilt: das RAW Format verzeiht mehr Fehler als das JPEG Format. (Kein Wunder, dass sich das RAW Format bei vielen Fotografen durchgesetzt hat 🙂 ).

Abgesoffene oder ausgefressene Teile lassen sich aus RAW Dateien besser wiederherstellen als auch JPEGs. Bis zu einem gewissen Grad geht dies heute ganz gut. Durch immer besser werdende Sensoren ist dies auch in den letzten Jahren eher noch besser als schlechter geworden. Aber auch hier gilt: Total daneben belichtet wird es nix mehr.

Gutmütige RAW Dateien

Mal kurz als Einschub ein kleines Beispiel zur Frage, wie viel mehr Reserve in einer RAW Datei steckt. Folgendes Bild wurde deutlich unterbelichtet und in der Kamera als RAW sowie als JPEG gespeichert. In Lightroom sehen beide Bilder erst einmal nur schwarz aus (Abb.1).

Alles schwarz nach Import in Lightroom

Wird die Datei aber um 5 Blendenstufen aufgehellt und die Lichter und Tiefen noch moderat nach oben gezogen, dann ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen RAW und JPEG (Abb.2).

Auch das RAW ist nicht mehr wirklich “benutzbar”. Der Unterschied wird aber sehr deutlich. Man kann sich leicht vorstellen, dass RAWs, bei denen die Belichtung leicht daneben gegangen ist problemlos zu retten sind, während das bei JPEGs nicht immer der Fall ist.

Das Belichtungsdreieck

Ob nun RAW oder JPEG, die Belichtung sollte passen. Also zurück zu Verschlusszeit, Blende und ISO. Es gibt ein nettes Hilfsmittel um sich gerade zu Anfang den Zusammenhang zwischen den drei Stellschrauben zu merken: das Belichtungsdreieck. Und das sieht wie folgt aus:

Die ersten Dinge, die man daraus ablesen kann sind:

  • bei langer Verschlusszeit wird das Bild heller, als bei kurzer Verschlusszeit
  • bei offener Blende wird das Bild heller als, bei geschlossener Blende
  • bei hoher ISO wird das Bild heller, als bei niedriger ISO

Das soll es mit dem Belichtungsdreieck auch erst einmal gewesen sein. Wenn diese drei ersten Zusammenhänge schon mal sitzen (kann man wie Vokabeln lernen), dann ist ein wichtiger Schritt getan. Das Belichtungsdreieck wird uns in Teil 5 noch einmal begegnen, wenn es um das Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und ISO geht.

In den folgenden Teilen der Serie geht es nun erst einmal um die Stellschrauben und welche Auswirkungen ein Verstellen auf das fertige Bild hat bzw. haben kann.

     

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