Blogging time: Wenn nur der scheiß Spiegel nicht wär’ – DSLR vs. DSLM

Für die drastische Wortwahl im Titel schon mal ein #Tchuligom. Manchmal weiß man intuitiv schon vor dem Lesen einer Diskussion, dass die Laune danach im Sack ist. Hatte ich heute wieder so – leider hält diese Vorahnung einen ja meist nicht davon ab, trotzdem die Diskussion zu lesen oder sich gar zu beteiligen. Aber mal von Anfang an …

Morbus Fotoforum

Unsere westliche Kultur ist geprägt von Meinungsfreiheit und das ist ja auch gut so. Allerdings gibt es Situationen, da würde man sich wünschen einzelne Individuen würden etwas weniger rege davon Gebrauch machen. Oft wünsche ich mir das in Fotoforen. Was da heutzutage einfach aufgrund der Masse an Menschen und der daraus entstehenden Meinungsvielfalt abgeht, das kann schon hier und da frusten. Leid tun mir da dann insbesondere die Einsteiger und Anfänger, deren Reise in der Fotowelt gerade erst begonnen hat.

Meist ist es nämlich so, dass auf eine einzelne, unachtsam gestellte Frage ganze Schubkarrenladungen unterschiedlicher Meinungen auf die/den Fragesteller*in ausgekippt werden. Und um bei der Analogie der Schubkarre zu bleiben .. manches davon ist sehr wohl Dünger, aber vieles ist auch Dreck.

Die Frage nach dem Kamerasystem

Eine beliebte Frage, die in der Regel eine Menge Schubkarrenladungen von gemischten Abfällen nach sich zieht, ist die Frage nach dem “richtigen Kamerasystem”. Obwohl die Antwort darauf von sehr vielen Dingen abhängt und nur ganz individuell beantwortet werden kann, reicht der einfache Satz “Welches Kamerasystem könnt ihr mir empfehlen?” üblicherweise aus, um innerhalb von einer halben Stunde zig Schubkarren anrollen zu lassen.

Ich brauch nicht zu erwähnen, dass bei vielen Antworten meist gar nicht gefragt wird, was der Fragesteller eigentlich benötigt. Das ist ja auch für viele Internet-Fotohelden eine unerhebliche Information. Die überwiegende Mehrheit empfiehlt eh einfach das eigene System. Nutzt man schließlich selber .. kann folglich nicht schlecht sein.

Und so summieren sich bei derartigen Diskussionen die Meinungen der User auf – oft ohne zu wissen, was eigentlich später mit der Kamera gemacht werden soll oder ob es andere Randbedingungen gibt, die vielleicht gegen die Empfehlung des eigenen Systems sprechen. Aber das ist ja immerhin so gut .. was soll schon dagegen sprechen ..

Systemkameras

Seit einigen Jahren geht der Trend bei Empfehlungen weg von der digitalen Spiegelreflexkameras hin in die Richtung “Ich empfehle dir eine Systemkamera”. Eigentlich ist mit dem Satz gemeint “Ich empfehle dir eine spiegellose Systemkamera”. Denn auch Spiegelreflexkameras sind Systemkameras – sind sie doch eingebettet in ein System aus Bodies, Linsen und Zubehör. Das wissen aber anscheinend nur wenige Nutzer spiegelloser Systemkameras. Da darf man die auch nicht drauf aufmerksam machen .. mögen die meist nicht …

Wie dem auch sei … es gibt unbestreitbar immer mehr User, die nie mit einem Spiegel in der Kamera fotografiert haben und die erst vor ein paar Jahren mit spiegellosem System eingestiegen sind. Da sich die Verkäufe entsprechend entwickeln ist das eine logische Konsequenz und das wirkt sich auf die Zusammensetzungen sowohl von Fotostammtischen als auch von Fotogruppen und Fotoforen aus.

Der Nervfaktor

Was mich daran oft nervt – wie auch beim heutigen Auslöser für diesen Artikel – ist, dass die Argumentation und Empfehlung für oder wider DSLM/DSLR meist weniger Fakt als eher Religion ist. Glauben die Spiegel-“Verfechter” wirklich, heutige gute DSLMs gehen wegen Akkuproblemen nach 100 Fotos aus? Glauben Spiegellos-Fans wirklich, ein Spiegel zwischen Objektiv und Sensor entscheidet über die Bildqualität? Liest man Diskussionen quer, scheint das für einige zuzutreffen.

An diesem ganzen Hick-Hack offenbart sich meiner Meinung nach aber oft nur ein eklatantes Unverständnis für Fotografie und die zugrunde liegende Technik. Es gibt kein System, welches einem anderen in jeder Situation überlegen ist. Ein elektronischer Sucher hat in einigen Fällen seine Vorzüge – ein optischer Sucher in anderen.

Ich möchte eine Welt, in der ich aus einer Toilette trinken kann, ohne Ausschlag zu kriegen …

Man stelle sich vor, in Fotoforen würden die Leute nicht nur fragen, was jemand mit einer Kamera machen will, sondern auch – jetzt spinne ich völlig – ob es z.B. im Freundes- oder Verwandtenkreis schon Leute mit Fotoequipment gibt. Denn – auch wenn der Gedanke für einige Hobbyfotografen abwegig zu sein scheint – wenn ein Verwandter z.B. schon ein Nikon System mit ein paar Linsen besitzt, kann das rational betrachtet ein starkes Kaufargument für eine Nikon sein. Stärker zumindest, als ob die Nikon dann einen Spiegel zwischen Objektiv und Sensor hat oder nicht.

Es gab Zeiten, da hab ich auch leidenschaftlich bei sowas mit diskutiert. Ich habe versucht Fakten für und wider zu finden. Das lass ich mittlerweile. Einfach auch, weil es aufgrund der Masse an Usern nichts mehr bringt. Das Einzige was ich nur noch empfehle ist, in ein Fotogeschäft zu gehen. Kamera(s) vor Ort empfehlen lassen und nicht von Internethelden. Mal selber die Kamera in die Hand nehmen, Knöpfe drücken, sich die Menüs zeigen lassen.

Nerven beruhigen und Musik hören

Heute ist es mir tatsächlich gelungen nix zu der besagten Diskussion zu schreiben … also in der Diskussion selber. Aber dieser Artikel hier musste sein. Für ein Forum wo ich Admin bin hab ich mir geschworen, zukünftig solche pseudo-technik-religiösen Beiträge zu löschen. Kleiner Hinweis dazu, dass Religion in die Kirche gehört und meine Nerven sind schon beträchtlich geschont. Und da wo ich kein Admin bin, werde ich evtl. auf den Artikel hier verlinken.

So, Musik läuft und ich bin am Ende angekommen. Laune ist auch besser – passend zu diesem ersten frühlingshaften Tag Ende März. Musik, Musik … ach ja .. vielleicht sollten sich viele Internet-Fotografen mal ein Beispiel an Musikern nehmen. Wenn die sich neue Instrumente kaufen, dann jammen (spielen) die gerne mal zusammen um zu hören, wie das andere Instrument klingt. Die fallen nicht wie Gestörte über sich her. Schöner Gedanke aber .. moment .. ich denke an Fotografen, Toilette und Ausschlag und hol’ mir doch lieber mal schnell ein Glas. Ich fürchte, so schnell gibt das nix mit meinem Wunsch …


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1 Antwort

  1. Merkosh sagt:

    Das A und O, wenn man sich eine Kamera kaufen will, sollte immer sein, dass man sie in die Hand nimmt und ausprobiert. Das sage ich selbst immer wieder und hab das in meiner Einkaufshilfe als ähnliches Fazit. Fotografie ist halt so viel mehr als Spiegel oder nicht, Technik oder Sensorgröße. Letzten Endes muss man mit der Kamera zurecht kommen, dann hat man auch Zeit auf sein Bild zu achten.
    Gute Entscheidung, solche Diskussionen in Gruppen zu schließen. Vielleicht auch mit einem Link hierher.

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