Objektive für Canon-EF unter 200€

Objektive sind ein leidiges Thema. Irgendwie hat man nie genug davon und kosten tun die meisten auch ganz ordentlich. Ist das Budget für den Kauf zudem nicht allzu üppig, schränkt dies die Auswahl an Objektiven deutlich ein. Aber es gibt sie – günstige Objektive für unter 200€. Und da sind teils wirklich nette Linsen dabei! Sowohl bei Neuware als auch bei Gebrauchtware kann man hier fündig werden. Da ich selber aus dem Canon-Lager komme, stelle ich euch mal ein paar Ideen passend für den Canon EF (EF-S) Anschluss vor.

Das EF 50/1.8 – der Canon Klassiker unter den Festbrennweiten

Der Klassiker unter den günstigen Festbrennweiten schlechthin ist das EF 50/1.8 STM*. Wahlweise liebevoll als “Joghurtbecher”, “Nifty-Fifty” oder “Lichtbüchse” bezeichnet, ist dieses Objektiv mit ca. 100€ Neupreis ein echter Preis-Leistungs-Knaller. Mittlerweile gibt es das 50er mit STM Autofokus Motor. Wenn man zuschlägt, dann sollte man bei diesem Objektiv darauf achten, tulichst nicht noch eine alte 50/1.8 II Version zu erwischen, sondern schon die aktuelle STM Version. Der AF Motor ist bei der neuen Version einfach schon besser und verlässlicher.

Ansonsten ist das 50er aber eine tolle Portrait-Linse, sowohl an APS-C als auch an Kleinbild. Mit f/1.8 ist es zudem sehr Lichtstark und es liefert eine durchweg gute Abbildungsqualität. Wer mit der Brennweite gut klar kommt, findet im Joghurtbecher eine tolle und vor allem preiswerte Linse mit viel kreativem Potenzial. Nicht umsonst ist diese Linse oft eines der ersten Objektive, welches neben dem obligatorischen Kit-Objektiv den Weg in die Fototasche findet.

Beispielbilder von dem Teil gibt es auf der Seite Pixelpeeper hier für APS-C Kameras und hier für Kleinbildkameras.

Das EF 40/2.8 STM – Darf es etwas weniger Brennweite sein?

Ich gebe zu – ich bin mit dem 50/1.8er nie wirklich warm geworden. Weder an APS-C noch an Kleinbild haben mir die 50mm zugesagt. Deshalb habe ich meinen Joghurtbecher letztlich auch abgegeben und gegen das EF 40/2.8 STM* Pancake getauscht. Die 10mm weniger an Brennweite kommen meinem Stil zu fotografieren wesentlich mehr entgegen. Dazu ist das 40er – der “Pfannkuchen” – so schmal und klein, dass man es sogar in der Hosentasche als Zweitobjektiv mitnehmen kann. Mit etwa 200€ (je nach Tageskurs mal knapp drüber, mal knapp drunter) ist es eine interessante Alternative zu den klassischen 50mm Linsen.

Wer schwerpunktmäßig Portraits macht, wird wohl weiterhin das lichtstärkere 50/1.8 vorziehen – zumal es nur die Hälfte kostet. Aber als platzsparender “Allrounder” ist das 40/2.8 durchaus mal einen Blick wert. Dazu ist die Linse kack-scharf, leicht und unauffällig. Mit f/2.8 ist sie darüber hinaus schon halbwegs lichtstark.

Beispielbilder vom 40/2.8 STM findet ihr hier für APS-C Kameras bzw. hier für Kleinbildkameras.

Yongnuo kommt mit 35/2 und 50/1.8

Auch der chinesische Hersteller Yongnou bietet mittlerweile für Canon-EF zwei Linsen an, die den schon genannten Linsen gleichen bzw. ähneln. Das Objektiv mit 35/2* gibt es aktuell für nicht mal 100€. Das ist ein echt guter Kurs, zumal die Bewertungen nun auch ein ganz gutes Bild zurücklassen. Der richtige Knaller kommt aber noch. Das entsprechende Yongnou mit 50/1.8* kostet keine 50€! Das sind echte Kampfpreise für Objektive, die nach Tests und Bewertungen gute Qualitäten abliefern.

Ich finde, diese Objektive sind gerade für Unentschlossene, Neueinsteiger oder Leute mit sehr knappen Budget hochinteressant. Selbst einen unüberlegten Spontankauf muss man nicht scheuen. Beispielbilder gibt es bei flickr, hier für das 35/2er und hier für das 50/1.8er.

Nur für APS-C – das Canon EF-S 24/2.8 STM

Exklusiv für die Crop-Kameras mit EF-S Mount hat Canon noch eine schöne Linse im Angebot – das EF 24/2.8 STM*. Interessant ist hier vor allem, dass es eigentlich das APS-C Pendant zum EF 40/2.8 ist. Damit meine ich, dass das 24/2.8 am APS-C Sensor einen (fast) identischen Bildausschnitt liefert wie das 40/2.8 am Kleinbildsensor. Mit knapp 150€ erhält man damit auch für Crop-Kameras eine gute Allround Festbrennweite.

Und auch äußerlich ähneln sich die beiden Objektive – handelt es sich doch bei beiden um sogenannte Pancake Objektive, die sich durch die leichte, flache Bauweise hervor tun. Beispielbilder vom dem, was man mit dem 24/2.8 so anstellen kann, findet ihr z.B. hier bei Pixelpeeper.

Auch nur für APS-C – das EF-S 55-250 Tele

Dies ist nun das erste Zoom-Objektiv in meiner Ideenliste und dazu noch eins der gängigsten. Wenn das EF-S 18-55 Kit-Objekiv nicht nah genug heran zoomt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man beim EF-S 55-250/4-5,6 IS STM* landet. Die 55-250mm Brennweite erweitert den Bereich der Kit-Objektive von 18-55mm sehr passend, schließt es doch nahtlos an den 55mm an. Zudem ist ein Bildstabilisator im Objektiv verbaut, welcher gerade bei langen Brennweiten und längeren Verschlusszeiten gute Dienste leistet. Mit um die 160€ Neupreis ist das Objektiv zudem preislich echt interessant.

Einziger Minuspunkt – über den man sich auch im Klaren sein sollte – ist, dass das Teleobjektiv mit einer Offenblende von f/4-5,6 nicht wirklich lichtstark ist. Es ist eher ein “Schönwetter-” und “Ausflugs-” Teleobjektiv, welches bei guten Lichtverhältnissen echt gute Dienste verrichtet. Allerdings sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass bei starker Bewölkung oder schlechten Lichtverhältnissen schon ein paar Einschränkungen vorhanden sind. Hier muss dann schnell die ISO hoch gedreht werden oder man muss längere Verschlusszeiten in Kauf nehmen.

Bei den unbewegten Motiven gleicht der Bildstabilisator diese Nachteile wieder aus – bei bewegten Objekten allerdings nicht. Wer das aber weiß, erhält für unter 200€ ein super Teleobjektiv für seine Canon APS-C Kamera. Beispielbilder gibt es z.B. hier auf Pixelpeeper.

Darf’s auch was Gebrauchtes sein?

Wer sich beim Kauf von Objektiven nicht nur auf Neuware beschränkt, kann mitunter einige richtig gute Schnäppchen machen. Neben gebrauchten Linsen von Canon, Sigma oder Tamron gibt es in den Gebrauchtbörsen im Netz auch einige alte Schätzchen zu entdecken.

Und mit “alten Schätzchen” meine ich durchaus 50 Jahre und älter. Mit einem kleinen, simplen Adapter lassen sich z.B. viele alte M42 Objektive an heutige Canon DSLRs adaptieren. Und da bekommt man dann problemlos gut erhaltene und gepflegte Linsen mit 135mm/2 oder 50mm/1.8 für unter 50€. Einziger Nachteil: die Linsen arbeiten manuell.

Wer sich aber einmal darauf einlassen möchte, könnte in eine Welt der Altgläser vorstoßen, die einen nicht mehr loslässt. Eine ständig wachsende Szene rund um diese M42 “Altgläser” spricht Bände – treibt aber auch nach und nach die Gebrauchtpreise für diese alten Linsen in die Höhe. Angebot und Nachfrage halt.

Achte sollte man beim Gebrauchtkauf vor allem darauf, dass die Blende gängig ist und nicht hakelt und dass die Linsen frei von größeren Kratzern und Trübenungen (Glaspilz!) sind.

Fazit

Auch mit kleinem Budget gibt es einige interessante Optionen für neues Glas. Viele günstige Festbrennweiten liefern sehr gute Bildqualitäten ab und eröffnen dank lichtstarker Blendenöffnungen kreative Möglichkeiten für einen schmalen Preis. Lässt man sich mal auf Festbrennweiten ein, braucht es manchmal weniger als 100€ um ganz interessante, neue Möglichkeiten zu entdecken.

Wer die Muße und Gedud hat ein bisschen mit manuellen Linsen zu experimentieren, findet einen riesigen Gebrauchtmarkt rumd um Objektive vor, die vor einigen Jahrzehnten ihre Blütezeit hatten und sich heute teilweise durch ihr nicht perfektes Bokeh von der Masse abheben. Wie z.B. das Pentacon 135/2.8 – liebevoll “Bokeh Monster” getauft (Gallerie bei flickr).

 

       

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