Peoplefotografie: Keine Angst vor Sonnenschein

Letzten Samstag war es mal wieder so weit. Das Model hat mit Mandelentzündung am Abend vorher abgesagt, das geplante Shooting musste ausfallen. Einen paar Tage vorher schrieb mich glücklicherweise Florian an, ob ich auch mit Neueinsteigern TfP shooten würde. Das tue ich schon mal und Florian hatte auch prompt Zeit. Also hieß es “umplanen” bzw. improvisieren. Und so haben wir uns recht spontan mittags um 15 Uhr im Landschaftspark Duisburg Nord verabredet um ein bisschen zu shooten. Tja, was soll man sagen: wolkenloser Himmel, 27°C im April und der Landschaftspark war rappelvoll. Eigentlich eher nicht so optimale Bedingungen für ein Shooting.

Bei Sonnenschein nicht traurig sein

Eigentlich ist wolkenloser Himmel ja eher unbeliebt bei Peoplefotografen. Die Sonne sorgt für sehr harte Schatten, die Kontrastunterschiede von Licht und Schatten sind extrem und die Modelle blinzeln ständig, kneifen die Augen zu oder haben harte Schatten in den Augenhöhlen.

Was da hilft, sind z.B. Accessoires wie Sonnenbrillen oder Settings, die von der Stimmung her zu solchen Sommertagen passen. Wenn ausgebrannte Stellen durch harte Kontrastunterschiede im Bild auftreten, kann man diese bewusst weniger störend im Hintergrund platzieren. Letztendlich ist es zwar Geschmacksache was “weniger störend” ist – aber ich finde, pralle Sonne muss nicht zwangsweise ein K.O.-Kriterium für Shootings in der Mittagszeit sein. Wie bin ich das “Problem” am Samstag angegangen?

Schatten suchen

Eine Flucht in den Schatten ist immer eine Lösung. Ideal sind größere Schattenbereiche mit gleichmäßigem Schatten (Vollschatten). Das ist das meiner Meinung nach wichtigste Kriterium. Nix ist schlimmer als ein Gesicht, das durch unregelmäßigen Schatten (z.B. unter Blattwerk) helle und dunkle Stellen hat. Wenn im Hintergrund helle Bereiche sind, kann man diese gut etwas weg vom Hauptmotiv platzieren (persönliche Meinung). Andere Fotografen versuchen gar, solche ausgebrannten Stellen wie auf dem nachfolgenden Bild ganz zu vermeiden – mich stören sie weniger. Aber Vorsicht: Ein Gesicht genau platziert auf diesen ausgebranntem Hintergrundstellen wirkt nur selten ansprechend.

Porträt im Schatten ohne Aufheller im Gesicht

Im Gegenlicht shooten

Ein Klassiker bei starker Sonneneinstrahlung sind Porträts im Gegenlicht. Hier hat das Model die Sonne im Rücken, der Fotograf fotografiert mit dem Objektiv in die Sonne hinein. Lässt man die Sonnenblende weg, kommt es dabei schon mal zu Reflexionen und sogenannten Lensflares. Hier gilt eigentlich: Erlaubt ist was gefällt. An Lensflares und Gegenlichtaufnahmen scheiden sich die Geister wie an so vielen Dingen. Ich persönlich mag derartige Gegenlichtaufnahmen.

Gegenlicht Porträt mit ‘nem kleinen Lensflare

Ein Vorteil solcher Gegenlichtaufnahmen ist, dass das Gesicht wie hier im Schatten liegt. Nun gilt es nur, dass Gesicht so zu belichten, dass man es bei der Nachbearbeitung wieder hergestellt bekommt. Im Idealfall brennt bei der Aufnahme der Hintergrund nicht völlig aus und das Gesicht säuft nicht völlig im Schatten ab. Das Beispielbild wurde übrigens ohne Aufheller aufgenommen.

In die pralle Sonne

Gerade, wenn die Sonne nicht mehr ganz oben am Firmament auf alle nieder brutzelt, kann man auch durchaus mal die ein oder andere Aufnahme in ungeschützter Sonne versuchen. Nachmittags hat sich der Stern schon ein bisschen gesenkt und die Schatten in den Gesichtern werden etwas weniger ausgeprägt als zur vollen Mittagszeit.

Aufnahme bei ungeschützter Sonneneinstrahlung

Meiner Meinung nach funktionieren solche Bilder weniger bei reinen Kopfporträts, eher bei Bildern wo Umgebung und Kontext mit drauf ist.

Gebäude und Umgebung als Reflektor

Last but not least ist es auch ein probates mittel im Vollschatten die Reflexion von gegenüberliegenden Gebäuden etc. als Diffusor zu nehmen. Im folgenden Beispiel steht der Florian in einem völlig dunklen, unbeleuchteten Durchgang. Das Licht im Gesicht ist kein direktes Sonnenlicht, sondern von der Umgebung gestreutes Licht im Anfangsbereich dieses Durchgangs.

Gestreutes Umgebungslicht zum Aufhellen

Dadurch wirkt das Licht nicht so hart und gefällig. Der Klassiker dieser Variante ist ein Shooting in einer Straßenschlucht, bei der die von der Sonne angestrahlten Fassaden im Rücken des Fotografen sind.

Keine Sonnenallergie bekommen

Man muss also nicht unbedingt die Sonne meiden wie ein Vampir, wenn es um Porträtshootings geht. Einige Dinge und Settings funktionieren auch an sommerlichen Tagen. Und das sogar ohne Aufhellblitz oder Reflektoren. Na, dann kann der Sommer ja kommen 🙂

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